Weinnase auf den Azoren 2003

Newsletter Nr. 4: Als >Genießer<...


...wurde mir s.Zt. der fröhliche "Winzer von Bremen" vorgestellt. Bereits in 1992 (!) hatte er in seinem Garten von 900 m2 auch >Wein< angebaut: U.a. "Boskoops Colorie" aus den USA und blauen Gutedel sowie... Müller-Thurgau. Selber keltern und "vinifizieren" tut's der Herr Helmut Lübben in seinem Keller. In so aus Süd-Tirol importierten Utensilien. Der s.Zt. (heut 55?) 42-jährige erfreute sich bei bester Gesundheit, seiner üppigen Ernte und ... "süffigen Leerstoff" in Oyten bei Bremen!
Am Schnitt soll's liegen, sagte der Journalist einer hanseatischen Zeitung; das wäre das A&O. Ich meine, auch der "Liebe Gott" half mit sich rapide veränderten Wetterbedingungen (Umwelterwärmung etc. !) still nach!

Was für einen Weinanbau, welche Sorten sind hier in den Breiten sinnvoll und ökologisch möglich? Hier auf Santa Maria, wo's NIE kalt und nie - richtig - heiß sein soll. Ein paar "Werte" aus den Klimadaten:
Jan: + 17,2 C / 11,5 C bei 139,9 mml Regen / 53,3 % Feuchte und 93,6 Sonnenstunden (teils heftige Winde!)
Mai: + 20,0 C / 13,3 C bei 47,4 mml Regen / 67,2 % Feuchte und 178,7 Sonnenstunden (stetig wechselndes Wetter)
Aug: + 25,7 C / 18,0 C bei 32,6 mml Regen / /4,8 % Feuchte und 218,9 Sonnenstunden (Haupturlaubszeit!)
Okt: + 22,3 C / 15,8 !C bei 119,2 mml Regen / 66,4 % Feuchte und 146,7 Sonnenstunden (h.w. Ernte/Lesezeit!)
Dez: + 17,9 C / 12,4 C bei 111,3 mml Regen / 57,0 % Feuchte und 92,1 Sonnenstunden Weihnachten feiern!

Dabei "kühlt" das Meer, im Dez. auf noch 16,4 C und 21,8 C im August, dem warmen Golfstrom sei Dank, nie wirklich ab. Hier, mitten im Atlantik (ca. 2800 km/1800 km) von New York (+ Lissabon) entfernt) ist Europa's "Wetterküche"!
Bis weit in den Spätherbst kann man auf Terrassen in leichter Sommerkleidung noch's Leben und frischen Fisch genießen (die Acores gelten als ungemein fischreiche Tiefsee ( - 4000 m !) und Tauchreviere von Weltrang!

Tropische Pflanzen gedeihen ebenso wie Tee(!) in Europa's einziger Plantage, daneben Ananas, Bananen, Apfelsinen (diese sogar "verwildert"!), die Hortensie in Meeresblau ist ein "Wildvorkommen" und florales Zeichen der Inseln!
Der Pirol (Dompfaff-Art!) und der Mäusebussard sind die auffälligsten Vögel. Wilde - bösartige - Tiere / Schlangen, die gab's und gibt's hier nicht! Nur Kühe, Kühe und Schafe! Wohl aber ( den bis Mitte 1980) gejagten ) Pottwal (50t) und riesige Schwärme an Delfinen. Mit diesen Meeressäugern gemeinsam, Wange an Wange schwimmen, bietet sich (von der UNI geleitete Exkursionen!) wie Tiefseeangeln an. Surfen und Wellenreiten soll gar für Freaks ein Vergnügen sein, daß das auch den Dirk van der Nierpoort von Porto (Festland) nach hier lockte. Die Lebensbedingungen der 250.000 Einwohner aller 9 Eilande ist i.d.R. einfach und größtenteils auf Santa Maria bäuerlich strukturiert. Die Inseln gelten als... Auswanderungsgebiete (in die "nahen" USA/Com; und wenige nach Europa, verschlägt's die portg. Jugend / Gelernten / Studierten). Die EU will dieser unheilvollen "Regel" durch Förderprogramme notwendigen Einhalt bieten. Der Weinanbau hat bislang nur inselweite Bedeutung. Exporte sind weg. des alkoholischen Weines (Rot!) angeblich nicht möglich.


Und da fängt meine Weinnase an zu "jucken"! WAS für "marginale") Möglichkeiten bietet der sanfte Tourismus mit reorganisierten und strukturierten Weinanbau, sind hier mit der EU-Hilfe möglich? Steuerlich interessant sind hier - geförderte - Investitionen gesucht!
Die Politik und Verwaltung der autonomen Inseln (zu Portugal / Europa gehörend!) steht den Problemen "hilflos" aber "aufgeschlossen" gegenüber. Verfall von historischen Gebäuden und Umwandlung in preisbewussten touristischen "Neuraum" wäre eine der hier vielen und notwenigen Möglichkeiten. Denn noch ist die "Bettensituation", auf Santa Maria besonders, mehr als miserabel / niedrig und teils zu überteuert. Gut ausgebildete Fachleute sollen auf den/der Insel(n) rar sein, was sich auch in der niedrigen Arbeitslosenzahl ausdrückt. Niedriger als in dem Mutterland oder BRD!

Industriell gibt's nix nennenswertes. Und somit auch keine - störende - Umweltbeeinflussung / - Schäden. Landwirtschaft und dringend zu moderisierende Fischerei trägt - zu geringen - Betrag zum Brutto-Sozialprodukt des "Archipels der Glückseeligen"; bei mäßiger Beschäftigungszahl. Sonst trägt's die (bald leeren Kassen der) EU; das teuere >"Import"< -Leben auf den pittoresken Eilanden, wo's nie Winter gibt!
So, nun wisst ihr was über meine neue Teilzeit-Heimat am Rande der - westlichen - Welt. Ich aber noch nix über die oenologischen, sinnvoll-ökologischen Weinanbau - Möglichkeiten und ... wer gibt mir dazu Tipp's? Wer hat Lust, hier an diesem kleinen Projekt auf Zeit mitzuarbeiten? Evtl. anteilige Vergütung vom befristeten Arbeitsaufenthalt in gastlicher Inseltradition kann sicherlich anzeizen, aber ich suche fachliche Hilfe auf Santa Maria / Acores! Wer neugierig ist, der melde sich bei meiner Weinfreundin mit genauen Daten / Adressen etc. [immer her damit! Barbara]!
In 2004 soll's dann, u.U. mit mir als Weinnase, losgehen"


Gruß Eure Weinnase on"Job"!

NS: "Malbusca" heißt, frei "übersetzt": "sau-schwer zu ernten"! Auf acorianisch!
Wennst die Wingerte an den Terrassen über'm Meer sehen würdest, verstehst auch Du den "Ortsnamen hier" Gemsen sind hier "gut dran"!!