Weinnase auf den Azoren 2003

Newsletter Nr. 6: Das fremde Schiff


Heute lag im kl. Hafen von >Vila do Porto< ein fremdes Schiff. Keine Portugiesen von den Nachbarinseln, keine Crew aus Lisboa oder Oporto kam an Land, auf Santa Maria, sondern junge Menschen, 14 (!) aus ganz Europa. Mit dem Jan, dem Smutje aus Eindhoven (NL) hab' ich mich in >"O Pipa's" - Bar<, in der warmen Sonne, eine Weile unterhalten. Argentinien - England war ihr Törn. In der Antarktis waren sie mit ihrem Schiff - einem russischen Eisbrecher - gewesen. Jetzt ging's nach Hause; die Ergebnisse dieser langen Forschungsreihe auswerten. Sensationelle Ergebnisse könnte die - bald staunende - Welt von dieser privat finanzierten Forschungs-Excursion erwarten. Was das - bald - kommende Wetter und die fischbaren Bestände im Atlantik betrifft. Uns alle so "treffen" würde!
Jan war froh nach langen, bangen Wochen endlichen "festen Fuß" gefunden zu haben und in europäischen Gewässern zu sein. Leutseelig, vom lokalen Bier etwas "angeturnt" verriet er und seine hübsche - russische - Begleiterin mir etwas von den -"geheimen"-, leicht sichtbaren >ForschungsergebnissenBedrohliches hat sich entwickelt. Uns alle bald hier und woanders auf Gottes weiter Weinwelt treffend. Etwas so noch nicht in der Gänze und Tiefe begreifendes "Dunkles" kommt. Unaufhalsam! Ich bin kein "Glazologe" oder Wissenschaftler wie diese jungen Leute hier um mich. So unverhofft in der ansonsten ruhigen "O Pipa's-Bar".

Wo's den Vinho noch für 2 Euro in der Literkaraffe offen gibt. Klatsch und Neuigkeiten von unserem knapp an "Wichtigkeiten" von der Großen und weiten - lauten - Welt auf dem 28 08' westl. Länge und 37 43' nördlicher Breite liegenden, knapp 97,5 dm2 (!) "großen" Insel'chen in der östlichen Gruppe des Acores-Archipels.

Sehr und tief beeindruckt ließ ich das Gespräch mit Jan und seiner reizenden Irina ausklingen. Widmete mich meinem Glas und genoß weiter die wärmenden Strahlen der Sonne, die bald wieder eine ungeheuer - gewaltige Naturkatastrophe "gelassen" erblicken wird. "Bald" ist kein wissenschaftlicher Zeitbegriff. Nur ein "unbestimmter" Zeitabschnitt, der mir zu ... "recht bald", der mir mit 20, 30 -. 60 Jahren doch ... "rechtweit" in der "strahlenden Zukunft" liegt. Geologen, Geometer oder Werner Elflein müssen mir hier meine mathematische Ungenauigkeit als "reine Spekulation" verzeihen. Denn schließlich ist/war Jan nur der nichtwissenschaftlich voll-gebildete Smutje auf dieser Expedition. Und in den NL wird er ausmustern und wieder in seinem "alten" Lehrerberuf ... "für einige Zeit noch" ... sagte er, tätig sein. Danach wolle er sich "auch" auf den Weg machen, eine "Arche Noah" zu finden.

So wie ich SIE hier aus Lava und Kalkstein so "gebaut" wohl gefunden haben schien. So meinte er.
Doch wo sein Ziel sein könnte, seine "Arche", das wusste er nicht. Nur auf >"den Weg"< aus dieser "erdrückenden" Aussichtslosigkeit, darauf wolle er sich >unbedingt< aufmachen. Sich und einige seiner Schüler dann mitnehmen. "Erretten", wie er sich ausdrückte. Noch ganz aufgeregt über's monatelange >"Allein" auf dem Ocean sein<, froh einen geduldigen, leicht "dussligen" Weinfreund neben sich sitzen zu sehen, der IHN verstand. Er, der "ängels", "däuts, fraans enn" ... alles, nur kein ... acorianisches >Portugiesisch< verstand.
Er, der wundersam und gebannt - verzückt auf mein Weinglas, voller rubinroten - kirschfarbenen, im "blanken" Sonnenlicht funkelnden Roten von der Insel starrte. Denn direkt daneben lag meine - na soooo 40 Jahre hat "sie" schon gequalmt - schwarze Eisenholz - Pfeife, die ihm schier in das "flehende" weit geöffneten Lippenpaar "sprang"!
Der "typische" holländische Tabakduft einer "Weinnasen-Creation" in der west-afrikanischen, mit Schnitzwerk versehenen Original-Hash-Pfeife - meine Freunde im Forum kennen SIE und mich ( und ich SIE seit fast >40 Jahren!< )
"Halfzware Shag" sagte er... mit weitgeöffneten Nasenlöchern, so groß und schwarz wie.... Schornsteine auf alten Dampfer-Modellen. "DRUM" kam noch - leicht ächzend - von ihm rüber! Ich verschloss, die Sonne blendete mich scheint's - dösig die Augen und roch.... frischgepressten Kirschsaft von dunklen Schattenmorellen "aus Thiel seinem (Nachbar's) Garten"!
Und die vonner Oma so mit Kilo's an "echten" >Kristallzucker< in meiner Kindheit in den fast vergessenen 40-igern gemachten "Nasch"-Erfahrungen aufgebauten" Brombeer-Marmeladen-.Glas - nur Echt vom Dr. Weck - ertappt "schnüffelnd" (ganz mit der Nase und Maul drinne im Glase!!!). Das waren meine Erinnerungen und Empfindungen aus meiner Kindheit in den SAU-SCHLECHTEN ZEITEN des vergangenen, des aufgeklärten und freien 20. Jhdrt's. Erinnerungen an's zerstörte Europa und mit bis zu 92 % zerstörten >Asyl-Heimat-Stadt< am "Schreibtisch des Ruhrgebiets" und Gott-sei-dank "Olympia" - losen Stadt Düdo!

Das waren meine "abschweifenden" Gedanken, als ich in's dickwandige kleine - typisch für Portugal - Glas des in traditionellen Amphoren (wie schon auf Atlanis - das einige Wissenschaftler ernsthaft hier vermuteten-) und Eichenholz-Fässern aus dem nahem Amerika vergorenen meine... olle Weinnase hing! Schnüffelte und im gleichen Zuge wie der Jan aus Eindhoven - neben mir auf Santa Maria - ziehend... Labsal >Ambrosia< für ältere Herren und weinsinnige Genießer in sich "vermählend" aufnehmen. Jan stieß seufzend den hellen Qualm aus seinen Dampfer-Schornstein-großen Nüstern, an einem vernehmlichen Aaaaahch, ... schon wieder l e e e i d e r l e e r war ich - wieder befriedigt - erkennbar.

Ich laß mir doch hier nitt vonnem süchtigen holländischen Laberkopp un "Herringstünners" meine Ruhe und Beschaulichkeit stören.

Morgen bringt mir Senor Fontes - sinniger Name, gell? - von seinem Freund schließlich besseren roten >Inselwein< mit "Mauaua", was hier auf den Inseln heißt, wie schnell man mit einem ... >Eselgespann< die steilen Berge und Schluchten, hin zu den pittoreskesten "Weinbergen" der Welt, schafft und... noch genügend "Testserien" an den an "geheimen" Orten verbuddelten Amphoren man.... genüßlich überstanden hat. Denn zu - fast - jedem STEILSTwingert an den einsamen Buchten ( 2 Praia's im Wesentlichen), gehört ein lauschiges, kleines, niedliches "Winzerhäus'chen. Oftmals direkt an einem sich so 200, 300 m in die Tiefe stürzenden Kaskaden-Wasserfall. Wie zu Füßen meiner Terrasse des kleinen Häus'chen's in dem Weiler MALBUSCA. Braucht am Airport oder Hafen nur jeden Taxidriver zu fragen. Die bringen Euch dann schnurstracks die schwindelnden Serpentinen zum "Don Christianno", in the Monnteen's; wo ich bestaunt werde, es dort TRIIE MONNS zu bleiben!

Tja, doch sehr ruhig und beschaulich ist's hier; Jan müsste >glücklich> auf dem langen Weg sein und ich - durch NICHTS - beunruhigt, am Samstag wieder am selben Ort und selben Platz den selben Wein genießen. "NICHTS" macht schon "süchtig"! Ruhe und Geborgenheit = ANGEKOMMEN ?


Gruß Weinnase;

In aller mir eignen genüßlichen Gelassnheit Zarah Leander "grölend" hörend:
".... davon geht die Welt nicht unter... "!