Weinnase auf den Azoren 2003

Newsletter Nr. 30: Und der Pirol folgt auf dem Fuß...


... wenn ich im kl. Hausgärtchen umgrabe.
Gar nicht scheu, sind er und seine "gefiederten" Freunde, das Rotkehlchen, Sperlinge, Meisen u.v.a.m. hier auf der kleinen Azoren-Insel, Santa Maria. Gärtnern mit "Besuch" ist hier, in den grünen Bergen von Malbusca (="schwere Ernte"!) ein tägliches Erlebnis und... Freude.

Im Rheinland hatte ich in meinem Garten solche bunten und musikalischen "Gartenfreunde" nicht. Der Pirol scheint ausgestorben. Hier am einstigen "Ende der westlichen Welt" des 15. Jhdrts., hier gibt's IHN noch in genügender Population.
Hier, auf den "Inseln der Glückseeligen", im 9 Inseln umfassenden Seegebiet von einer Fläche, die größer als das "Mutterland" Portugal ist und es nie Winter gibt. Die mittlere Tiefsttemperatur mit noch 93,6 Sonnenstunden ist mit 11,5 C im Januar. Im November sind's bei 104,3 Sonnenstunden noch 13,9 C als tiefste und 19,6 C als höchste Durchschnittstemperatur! Kein Schnee, kein Eis, ein Frost, kein Glatteis, keinen Winter.
Ganz einfach: Den gibt's und gab's nie wegen des warmen Golfstromes um die Inseln. Baden im Winter ist hier im Wasser der Praia Formosa, direkt "unter uns" in den "Nebel"-Bergen von Santa Maria noch eine "warme" Freude!

Nur öfter Nebel steigt von den buchtenreichen Küsten auf; weil's Wasser dann wärmer als - besonders am Abend - die Luft ist. Von hier stammt ja auch das sog. "Azoren-Hoch", daß das europäische Wetter so sehr beeinflusst.
Die Üppigkeit der stets grünen Vegetation lässt schon darauf schließen: Es ist sehr regenreich. Der stete Wind trocknet, wie die Sonne, aber schnell die Flora und den Boden. Tropische Pflanzen - Ananas, u.s.w. - gedeihen hier prächtig. So wie die reif-geernteten Bananen, ein Genuß!

Als "Kleingärtner" tut man sich bei diesen klimatischen Bedingungen sehr schwer, wenn man die "richtige" Auswahl der Zier- u. Nutzpflanzen treffen will. Da kommt uns auch unsere Kenntnis und unter Beweis gestelltes gärtnerisches Können, zuletzt die lange Zeit auf Mallorca - Islas de Baleares - nicht zu Hilfe. Denn dort waren es Pflanzen u. Gartenanlagen eines - trockenen- mediterranen Lebensumfelds. Mallorquinische "Trockengärten" als typische -alte- Gartenanlagen!

Aber auch hier versuchen es die "Nordlichter" mit ihrem gewohnten Grün so zu gestalten, wie "zu Hause": mit Geranien, Rosen und Zierrasen" Leider!

Wir haben uns erstmal hier "umgesehen", die Umgebung "erlaufen" und nach wohl "heimischen" Wildpflanzen suchend uns bewegt. Kallas, stolze weiße Blüten, und eine Art "wilder" Gladiole in leuchtendem Rot sind die auffälligsten Vertreter ihrer Art im April u. Anfang Mai blühend, gewesen.
Am Wegesrand von Hainen mit Lorbeerbäumen, ausgewilderten Apfelsinenbäumen und "Baumerika". Und an den hier typischen satt-grünen Wiesen.
Spitzwegerich und eine Minzart sind die ersten von uns "entdeckten" Kräuter/Heilpflanzen. Durch die lange Zeit der Vieh-(Weiden)-haltung scheinen die Wiesen (Almen) stark überdüngt; was sich wohl auch in der -reichlichen- Wasserqualität von x-Bächen u. Wasserfällen u. Grundwasser "beweisen" lässt.
Wasser- und Boden-analysen werden uns -von Öko-Test- wohl dazu genauere Werte/Hilfen/Auskünfte geben!

Der Boden hier ist vulkanischen Ursprungs, und teils sediment-durchsetzt (4,5 Millionen Jahre alt!), rötlich-brauner, sehr lehm/tonhaltiger und steiniger Boden mit einer sehr dünnen Schicht Humus.
Überwiegend ist das Weideland, wo Gärten stehen oder ur-altes Ackerland (teils vor Jahrzehnten aufgegeben) mit damaligem Weizenanbau.
Eine kleine "Wüste", die >Deserto Vermelho< nahe dem kl. Hafen Anjos bei Sáo Pedro: die "Rote Wüste" auf der Größe von 3-4 Fußballfeldern platzhaltend. Entstanden durch den jahrzehntelangen Abbau bleihaltigen Tones für die insel-berühmten Ton- u. Töpferarbeiten Santa Maria's.
Basalt ist, neben Lavagestein, der hier vorherrschende Stein (und "Baustein" der alten Bauernhäuser u. Kirchen/Klöster).

Tja, und da kam der Brief von der "Kraut & Rüben"-Redaktion aus München. Und der nettgemeinte Tipp, sich mal die mediterranen Gartenexperten aus dem Internet und vom Parey-Verlag zu "konsultieren".
Nur... hier ist kein med. Klima; eher suptropisch und wieder nicht; es sind die Azoren mit einer Vielfalt von Klein-Klimata. Von Insel zu Insel, ja von Tal zu Tal, Dort zu Dorf verschieden, wie's kaum sonstwo so vielfältig sich präsentiert. Man meint fast, man könnte "irgendetwas" in den aufzulockernden Boden stecken, angießen und es grünt, sprießt und blüht "von selber".
Und das tut's: Die Art von ausgewilderter Malve haben wir umgesetzt, d.h. vom Wegrand bei Além in den Hausgarten. 3 bange Tage ließen die Blätter, welk wirkend, unser Experiment als gescheitert ansehen. Nach dieser Zeit gedieh dieser zarte Trieb und brachte -erstarkt- nach nur 3 Wochen eine zarte, kleine blaue Blüte oberhalb einer Blattachsel.
Unsere erste gärtnerische Tat: Von blühendem Erfolg gekrönt!

Zwischenzeitlich haben wir rings um's kleine Haus auf der Klippe über Praia Formosa einen Streifen umgegraben, mit Basaltsteinmehl, Holzbrand-Asche, Kaffee- u. Teeblättern sowie trocknem Kuhdung gedüngt, gemulcht mit Grasabschnitt und gut gewässert.
Die "Irispflanze", es soll die duftende und blaue "Ägyptische Liebesblume" sein, die Hortensien und astigen Geranien, quittegelbe Ringelblumen danken es uns mit einer Blühkraft und gesundem Wachstum, bei dem man meint, zuschauen zu können.
So wie uns Pirol (Pyrrhula, pyrrhula munia) und Rotkehlchen so bei der kleinen Gartenarbeit, gar nicht scheu, auf fußbreiter Distanz zusehen.

Und wir sehen uns erstmal noch weiter um, was hier an (Wein-)Garten uns möglich u. sinnvoll erscheint!
Dies von >Brigitte, nur "echt" mit dem Grünen Daumen<