Weinnase in Brasilien 2008

XXXV. Süd-Brasilianische Spezialitäten

11.11.2008

Bom Dia!

Kein Alaaf oder Helau, und dennoch weiß meine liebe Frau ganz genau, daß das der Karnevalsbeginn in unseren "kalten Heimat" heute ist. Bei 34C im Schatten solche Narrenfaxen machen, kommt hier keinem in den Sinn. Bis zum weltberühmten "Karneval in Rio", oder sonstwo, ist es noch Monate hin. Aber schon seit Monaten arbeiten die Karnevals-Gesellschaften auf dieses so bekannte Ereignis hin und fertigen die kunstvollen Figuren und phantastischen Kostüme, die die prächtigen Umzüge so farbenfroh ausmachen. Ein Ereignis, das Unsummen an Geld für diese Tage des überbordenden Frohsinns verschlingt und Millionen R$ der Besucher des Staates Brasilien, den mitfeiernden Gästen aus den Taschen lockt. Ein solches, weltbekanntes Spektakel wollen und werden wir auch mal -demnächst- mitmachen, wenn hier im Lande Hochsommer (Feb./März) ist!
Heute werden wir uns aufmachen, um in Laranjal uns am Seeufer des "Lagoa dos Patos" ein schattiges Plätzchen am Strand des "Entensees" ausmachen, um den herrlichen Sonnentag vergnüglich und friedlich zu verbringen.

Nun haben wir die Orte und Städtchen -mit Pelotas, der Kreisstadt sogar mehrfach- besucht, die wir von Morro Redondo per Bus in einer (Ganz-)Tagestour erreichen konnten. Zu weit ist das Bundesland Rio Grande do Sul, um hier weitere "Besucher" in der Pampa an einem Tag - per Bus, bis zum frühen Schluss, mit dem letzten Bus von Pelotas nach MoRe um 19:00 Uhr durchzuführen. Zumal die meisten Strecken über holprige Sand-Pisten führen und eine solche Tour nicht nur zeitaufwändig, sondern auch anstrengend für Po und Rücken ist. Und, obwohl die Bus-Fahrten zu Deutschlands Regionalverkehrstarifen sehr preiswert sind, sie schmälern uns geschwind die knappe Reisekasse. Sonnenschein (+34C), Sand und Staub und der stete, kühlende Wind vom Atlantik sind hier die Reisebegleiter der bisherigen Erkundungstouren gewesen.
Einen ausgeprägten Tourismus haben wir -außer dem der einheimischen Bevölkerung als "Familien-Besucher"- hier im Süd-Osten des Gaucho-Landes nicht festgestellt. Dazu mangelt es aber auch an diversen Einrichtungen und an geöffneten Hotels und Restaurants und... an fehlenden Sprachkenntnissen der bemühten Anbieter und gelegentlichen Touristeninformationen. Selbst die in Pelotas spricht NUR brasilianisch und etwas spanisch. Entsprechend sind auch die raren Prospekte und Reiselektüren nur auf portugiesisch-brasilianisch gelegentlich erhältlich. Touranbieter sind da auch nicht mehrsprachig aufgestellt und deren Angebote gehen doch arg ins (Reise-)Geld.
Der Begriff PAMPA ist also nicht nur brasilianisch und geographisch-kulturell, er ist generell anzusehen. Dies meine ich nicht überheblich oder bösartig sondern will die europäisch -deutsch- geprägten Erwartungshaltungen im Keim ersticken, so wie uns der Pistenstaub oft ersticken wollte. Abseits der mit <BR 1, 2, 3< ausgezeichneten Autostraßen, i.d.R. asphaltiert und 2-spurig, sind hier gepflasterte Bruchsteinstraßen, wie seit über 100 Jahren, üblich. Und die örtlich-regionalen Sandpisten als holprige Quälgester für Pneus, Federung sowie Rücken und Po.
Dennoch sind wir froh und begeistert, uns von dieser Misere nicht von Touren in die Umgebung und "Vergangenheit" haben abgehalten zu haben. Auch wenns "laben" unterwegs kaum möglich war (außer an wenigen Tank- und Raststellen und an den Rodeviarias (Bus-Central-Terminals), die meist an den Ortsrändern liegen!

Weitere "Quälgeister" sind die "Mücken" und Fliegen, die man aber mit üblichen (AUTAN & Co) Gegenmitteln in Abwehr halten kann. Und um zentrale Plätze und an Bushaltestellen die "Fliegenden Händler" und geschickte Bettler (oft noch Kinder!). Hier im wirtschaftlich bessergestellten Süden Brasiliens jedoch -so wurde versichert- seien wir viel sicherer als im Norden oder armen Nord-Osten. Und sich der Betteleien erwehren und oft damit verbundenen Trickdiebstählen und Gaunereien, dies habe ich auf all meinen Touren, rings um die "Weite-Wein-Welt" doch gelernt und -"toi, toi, toi"- bin noch nie "ausgenommen" worden. Weder in Asien, Afrika, Nord- und Südamerika oder bei uns, in Europas "dunklen Gegenden"! Das mag an dem meinigen sicheren Auftritt und "Abwehrhaltung", oder daß ich nicht wie ein "lohnenswertes Opfer" aussehe und auftrete liegen. Oder St. Christopherus gibt mir so seinen Schutz und Reisegeleit!
Ich denke jedoch mit der Zeit, und so oft wie ich "on the road again" -auch alleine- war, entwickelt man ein Gespür für Gefahr oder "Abkoche" der üblen Art. Hart ist es aber, wenns Gepäck bei den Flügen abhanden oder wie diesmal erst nach 10 (!) Tagen von der TAM-Airlines "gefunden" und kpl. in Pelotas (130 km Hin- und Rückfahrt per Bus!) am Busterminal übergeben wird. Einen Grund, eine Entschuldigung oder gar Entschädigung ist zwar nach IATA-Regeln vorgesehen oder einforderbar, aber hier in Brasilien erscheint mirs deutsch-geprägte "Durchsetzen einer berechtigten Forderung" doch nicht richtig und sinnvoll! Werden wir also Reisende warnen und selber bei anderen Airlines demnächst buchen, statt nur sinnlos über diese ärgerliche TAM-Schlamperei zu fluchen!

Heute wirds das Nationalgericht Brasiliens geben. Einfach und deftig, der Eintopf >FEIJOADA<. Es soll da aber eine etwas feinere, leichtere Machart geben. Und die oft stundenlange Schmauserei einer Feijoada completa. Eigentlich ist dieses Gericht, das zu jeder Speisekarte obligatorisch gehört, ein sog. "Sklavengericht". Ein "Essen" aus den üppigen Resten der Tische in den Herrenhäusern als nahrhafter und sehr schmackhafter Eintopf auf der Grundlage von Feijao preto, den sog. "schwarzen Bohnen" verschiedener Qualitäten (die kleine und pechsschwarze Bohne, im Kilo für 4,20 R$ soll die beste Sorte sein!). Unbedingt gehört der würzig-duftende sschwarze Pfeffer, gestoßen und reichlich, der Pimenta-Malagueta, dazu. Nebst einigen anderen Gewürzen und Kräutern (dem Mix dazu gebe ich den Vorzug) einige Stunden geköchelt. Mit Reis, Farofa (dem gerösteten Maniokmehl), gedünsteten grünen Kohlblättern und Orangenscheiben serviert ist dies eine -auch mal schwerverdauliche- brasilianische Spezialität.
Bei uns kommt heute zartgeröstete Rind-Schweine-Wurst mit grüner Paprika dazu. Und zum Dessert frische Papaya und Mango satt! Dazu das herrliche Brunnenwasser mit Limetten-Saft unserer Gartenfrüchte; und alles im Schatten der Terrasse (34C!) serviert, mit selbstgebackenem Maisbrot!

Am 15. November ist hier an diesem Samstag ein Nationalfeiertag: PROCIAMACAO DA REPUBLICA (Tag der Verkündung der bras. Republik). Alles soll geschlossen haben und bis in den Morgen sorglos feiern. Familienbesuch hat sich bei unserer Nachbarin angesagt. Und wo gehen wir hin? Evtl. in eine bekannte Churrascaria zum >Rodizio< mit (Rind-)Fleisch satt zu süffigem Wein vom Faß - nein, nein: war nur Spaß, das mit dem Wein. Wird wohl viiiel Caipirinha und "Antarctica" und 'nen "dicken Kopp" Sonntag geben!
So ist hier halt das so einfache Pampa-Leben!!

CpS

brazil16


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