Weinnase in Brasilien 2008

XXXIV. Bäume, Schatten und Träume!

16.11.2008

Bom Dia!

Nach dem Frühstück mit gartenfrischem Obst habe ich mich heute in "kühler" Frühe, bei 21C, aufgemacht, und habe das ges. Grundstück von Don Oswaldo, an seinen Zaungrenzen, abgeschritten. Dabei hatte ich vergessen, daß ich mein Handy auf "senden" hatte und... auf dem Berg gings Gebimmel los. Einen kleinen Gruß per SMS wurd ich dann gegen 9:00 Uhr Ortszeit los, fragte damit noch, wie's in der (k)alten Heimat bei meinen Lieben steht und geht. Da werde ich aber, mit meiner SMS-Frage mit nitt viel Freude eingebracht haben. Bei 6 Stunden an Zeitunterschied waren die bestimmt noch nicht an diesem herrlichen, sonnigen Morgen aufgewacht.
Nun, ich hatte mich aufgemacht, um mir die total ruhige Lage in den grünen Hügeln von Morro Redondo, noch vor dem Mittagessen, genauer anzusehen. Zunächst ging der Weg steil aufwärts, vorbei an dem Rohbau der Casa Grande und über die sattgrünen Weiden. Vorbei an dem kleinen Eukalyptus-Wäldchen, den Stallungen und begrüßte dabei den neugierigen Braunen, der mir so verwundert und wiehernd nachschaute. Weiter an den Bienenstöcken - sehr behutsam und vorsichtig, gings über den Hang bis hinunter ins malerische Tal. Die Wiesen und Weiden, wahrhafte Blumenparadiese, und der weite Blick auf die Höhe, dort wo sich das langgestreckte Dorf befindet, über ein paar Wäldchen genoß ich auf einem Felsen in der Sonne schwitzend. Denn mittlerweile war es heiß geworden. Keine Wolke am azurblauen Himmel mäßigt den Sonnenschein!

Von dort, hinter den Quellen mit unseren Brunnen, vorbei an einer scheuen Herde von Jungbullen auf abgezäunter Weide, stiefelte ich neugierig auf den Eukalyptus-Fortwald, der Grundstücksgrenze zu. Es war angenehm khl und duftend unter den hohen Bäumen. Krächzende "Papageien" zogen aus ihren Horsten aufgeregt über mich kreisend und kreischend ihre Bahnen. Dann stand ich an einem hohen, scheints für mich so unüberwindlichem Schutzzaun. Es soll ja auch hier böse Leute geben, die tun sich -hier abgelegte- Bäume klauen!

Eine lange Strecke längs des Zaunes brachte mich dann an die hügelabwärts ziehende Schotter-Sand-Piste, die mich dann, eine mutige Kletteraktion übern Zaun ging voraus, Richtung Hauptweg und, am Nachbar-Grundstück vorbei, fast bis zum alten Farmhaus zurück brachte.Noch einmal gings hügelaufwärts und dann unter den Schatten des Zimtbaumes mit seinem Freund, dem Feigenbaum. Dort, in deren Schatten ich schon manchen Gedanken nachhing, genoss ich dann die Limettonade und sah auf der "kurzangebundenen" Nachricht von der Barbara in der Heimat, was ich mit meiner SMS "angerichtet" hatte: Ich hab sie aus ihrem Traum, noch im Bett liegend, herausgerissen aus den Kissen. Muss wohl gegen 4:00 Uhr in dunkler Nacht gewesen sein, als meine liebevoll gemeinte SMS, so ungewollt früh, in Düsseldorf "einschlug"!
Der Zeitunterschied und meine Dussligkeit hatten die Sendezeit von unverschämt früh erwirkt. Ich hoffe, man wird mir hier im abseits der Pampa verzeihen!

Das große Grundstück liegt hangseits zum Passo do Valdez und geht über das murmelnde Bächlein und einem Holzsteg, hinter den Häusern wieder hoch und übers Wäldchen bis zur Hangseite des Nachbartales und dann, abgegrenzt durch den Forst, wieder der Piste und dem Farmhaus zu.Knap 1 1/2 Std. brachte ich bei der Teilumrundung, mich anstrengend, zu. Nun ruhe ich mich genüßlich im Schatten des Farmhaus-Gartens aus. Meine Frau wirtschaftet klappernd im Haus, unser Hundezuwachs im Doppelpack stöbern jaulend in der angrenzenden Scheune. Eine mir unbekannte, bunte Vogelschar veranstaltet ein Frühkonzert und Reiter kommen hügelabwärts, im flinken Trab, herab. Ihr Gelächter kommt noch eine Weile zu mir in den blumen-bunten Garten. Fofa, unsere Hof-Ketten-Hündin scheint auf ihren Knochen zu warten, was sie bei/mit bittendem Gebell kundtut.

Und was will ich mit diesen Zeilen kundtun? Nun, ich würde sagen wollen, daß es mir, dem Ollen z.Zt. gut geht und die Sonne wieder heftig brennt (32C sinds mittlerweile!) und kein Mensch, so weit und breit, soweit ich von den Grundstücksgrenzen sehen, weit sehen, sehr weit sehen konnte, zu Fuß, wie ich, durch die Pampa "rennt". Und nun bald, unter den Bäumen, die weit übers Farmhausdach ragen, weitausladend und schattenspendend in der Nähe der großen Küche, sitze ich und träume.
Von dem was wohl heute zum frühen Mittag, auf dem Tische stehen wird - die Gerüche aus der Küche sind zu animierend, nun nicht vom "Schlaraffenland", unter schattigen Bäumen um zu träumen!

Mit einem sehr langgehegten "Traum" werde ich wohl aufhören müssen. Hier in dem bunten Garten des alten Farmhauses bin ichs mir bewusst geworden: Etwas "aufzubauen" oder umzusetzen, dies kann ich mir nicht mehr zutrauen. Und somit werde ich auch mit dem Plan eines "Weinanbau-Versuchs" abrechnen und wohl, noch zeitig, genug, aufhören! Wie schwer mir diese Entscheidung fällt, weiß kaum einer. Denn damit steht für mich auch fest, daß diese "Art von Träumen" nicht mehr in Erwägung kommt. Selbst für Geld und viele "Gute Worte" nicht!

Hier, in der brasilianischen Pampa, unterm Zimtbaum im bunten Farmhausgarten, endet dieser so ereignisreich begonnene Traum. Die Idee von mir ist nicht absurd, sondern mit hinreichender Sicherheit erfolgreich durchführbar gewesen. Nicht die viele Arbeit und Zeit ists, die mich scheuen lässt, sondern die Kraft und Mut hat bei mir -auch krankheitsbedingt- nachgelassen. Und etwas anfangen, von dem ich weiß, ich würde es nicht beenden, dies ist unter meiner Würde. Nein, ich scheue keine Hürde, nur den absehbaren Mißerfolg, weil mit die Kraft und Lebenszeit scheints fehlt. Nicht als Schwadronierer oder Hasardeur möchte ich aus meinen Träumen "aufwachen" und den mir vertrauenden Menschen Ärger machen oder Schaden zufügen. Denn mit dem so üblichen Satz "Es tut mir leid", da verkauft sich doch nur ein Lügenkleid!
So und nun stehts fest! Nur meiner mitreisenden Frau muß ichs noch erklären und dann unsere Lage klären und die Umstände, nun einen "Neuen Weg" zu gehen, in die Zukunft weiter beherzt und heiter, von Last nun befreiter, zu gehen! Wohin und wie weit, nun dies hat nun Zeit bis zu unserer Rückkehr zur diesjährigen Weihnachtszeit 2008.

Hier im Gaucho-Land eine Zeit unseres Lebens, in Muße und Nichtstun, zu verbringen, dies wären wir schon bereit. Denn Südamerika ist so unendlich weit und noch manche Reise, von Brasilien - in Brasilien, weit zu unternehmen. Mal sehen, wie hier im deutschen Sommer 2009 die Karten liegen und wir hier leben können, ohne uns zu verbiegen.
Diese Entscheidung ist aber nicht nur von UNS abhängig, sondern von einigen, nicht durch/von beeinflußbaren Umständen. Insbesondere, wie es hier im Passo do Valdez mit der zeitigen Fertigstellung der Casa Grande und der vereinbarten Nutzung des alten Farmhauses durch uns bestellt ist. Und ob wir hier im Pampa-Abseits überhaupt leben >wollen<!?!

Bislang steht unsere Meinung zu den sehr besonderen Lebensumständen in Morro Redondo noch nicht endgültig fest. Den Rest der uns nun hier verbleibenden Zeit wollen wir uns noch weiter -etwas- umsehen, und uns dann prüfen, sind wir für ein solch einfaches Leben "im Abseits" übehaupt bereit oder können wir dies nur auf eine kurze Zeit, so in dieser Pampa-Beschaulichkeit, ohne soziale Kontakte weit und breit, ertragen. Und uns so <"eingeengt"< ertragen. Dieses sind unsere Fragen.
Auf den langen Rückflug werden wir Zeit haben, uns mit diesen Fragen und unseren sicherlich verschiedenen Meinungen zu beschäftigen. Ich bin sehr gespannt, wie hier das Urteil meiner Frau ausfallen wird. Auch ich weiß nicht -noch nicht- ganz genau, wie ich mich entscheiden werde. Eine Entscheidung, die mich betrifft, habe ich ja bereits getroffen - nur noch nicht vorgebracht.

So, nun aber genug mit der Fragerei auf "stillem Papier". Noch sind wir über einen Monat hier im Gaucho-Land. Noch viel Sand wird es, wie Sonnenschein, geben. Dann entscheiden wir über die Zukunft hier und unser weiteres Verbleiben!

CpS


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