Mallorquinische Erzählungen, Weine und Genüsse

V. Wenn Pau erzählt...!

07.05.2006

Pau (="Paul"!) hat sich was in seinen markanten "Charakter-Kopf" gesetzt und bereits begonnen umzusetzen: Er will unseren Weinanbau auf Sa Costa in Banyalbufar bei den "Besten von Mallorca" sehen.
Ehrlich gesagt, uns qualmen die Socken vor Arbeit und raucht der Schädel vor Sorgen und die aktuelle Zielsetzung ist mehr als bescheiden; Paul'chen, "Tiger von Banyalbufar", geht's als flottem Mit-Siebziger nicht schnell genug. Die alt-ehrwürdigen Mandel-/Olivenbäume will er abgeholzt und noch mehr Rebflächen auf den Bancales, den Terrassen-Feldern, hoch über Banyalbufar, bei uns auf Sa Costa "wachsen" sehen!
Die alte Blütezeit des MALVASIA-Weines, auf den angestammten, ur-alten Rebflächen will er profitabel für uns und's Dörfchen gestaltet noch erleben.
Mein Gott "Diens del mare", hat diese knorzige "Kerl" einen Mut und Ausdauer, jeden Tag ist er für/bei uns auf der Lauer und kommt mit seinen Erzählungen aus den herrlichen Herrschaftstagen der "BARONIA DE BANYALBUFAR" und den Weinen, den Menschen und den Natur-Ereignissen an.
Und Pau beginnt zu erzählen, als der heiße, sengende XALOC über die hohen Berge ins liebliche Tal einfiel, wie einst die Piraten und Vandalen, und alles blühende-grünende Leben vernichtete: Der wochenlange Wüstenwind aus dem nahen Afrika war -selten zwar-, wieder über die sonst schützenden Berge der Serra Tramuntana eingedrungen!
Die Menschen von Banyalbufar verließen daraufhin das Dörfchen und die "verbrannten", verwüsteten Bancales, um in Palma, Andraitx oder sonstwo, bei Verwandten, Freunden oder in Höhlen Schutz zu suchen und um Erlösung vor dieser "Gottesplage" zu beten und Kerzen in >"LA SEU"<, in Palma (die "Kathedrale des Lichts"), zu opfern!

Etwas Zeit sollte man schon haben. Ein, zwei Strandtage opfern und sich die gewaltigen Naturschönheiten in der "Serra Tramuntana" ansehen und die dortigen, geschützten Täler und an sanften Hängen liegenden, "neuen" Weingüter, wie z.Bsp. die Possessio auf ca. 230 m.ü.M., "SON PUIG" in >PUIG PUNYENT<, am km 12,8 der Ctra. Palma-Puigpunyent abfahren, besuchen. Jedoch nicht, ohne sich unter Tel. 630/993 650 vorher unbedingt anzumelden.

Zwar ist die mächtige Possessio ur-alt, der Weinanbau aber, genau wie die Klein-Bodega relativ jung zu nennen.
Dort werden diese Rebsorten auf diversen, kleinen Parzellen angebaut:
- Callet (autochthone Rebsorte)
- Merlot
- Cabernet Sauvignon
- Tempranillo
- Chardonnay
- Premsal Blanc (autochthone Rebsorte)

Auf der Weinmesse in Pollenca konnten wir 3 Weine, zwei Rotweine und einen Weißwein probieren, die Lust nach mehr von der kleinen aber sehr "feinen" Bodega -mit modernster Vinifikation- machten:

A. Blanco 2005
Die versch. weißen Traubensorten werden strikt getrennt gelesen und separat vearbeitet. Verschiedene Anbau-Parzellen bringen differente Micro-Klimata und kühlere Zonen mit späteren phenologischen Reifestadien, als es auf Mallorca sonst üblich ist.
Handlese und schonender, schneller Transport in 10 kg-Steigen bringen charaktervolle, sich klar unterscheidene Weine.
Kurze Standzeit auf der Maische und ca. 6 Monate "auf der Ruhe" in frz. Eichenholz-Fässern (Barriques) und Filtration mit anschließender Abfüllung ergeben einen strahlenden, blaßgelben Wein mit abgegrenzten grünen Reflexen und pikanten Tönen. Zwar etwas blumig in der Nase. Intensiv sind die Fruchtaromen wie -deutlich- Ananas, Banane, Pfirsich und Apfel und "verspielter" Anklang von Kokos bieten einen harmonisch-runden Geschmack und stabile Struktur sowie moderater Säure als "Erfrischung".
Der Abgang ist eigenwillig mit einem Anklang an... Confiserie, Minze und einem Hauch von Mandel; als typisches an Röstaromen (durch die kurze Reife in Eichenholz-Fässern) genießt man dann dazu:

B. TINTO 2005
Auch hier werden die Rebsorten getrennt gelesen und vearbeitet sowie 6 Mon. in frz. u. amerik. Eiche gereift. Jedoch ist hier eine längere Maischestandzeit und Gärung in INOX (rostfreiem) Stahl, bei kontrollierter Temperatursteuerung die Basis für die besseren Noten an intensiven Farb-, Aromen- und Geschmacksbildung.
Das funkelnde Granatrot mit violetten Reflexen und ein wasserheller Rand bezeugen die Jugend des Rotweines. Rote Waldbeeren, Johannisbeeren und Heu als zart-duftener Anklang prägen den Wein.
Präsente, angenehm weiche Tannine und Säuren, leichten Mandeltönen und den Würznoten von Pfeffer, Nelken und -zarter- Anklang von "Maccia" im Mund und als angenehmen Abgang haben hier dem Wein von dieser "Berg-Finca" seinen Charakter gegeben!

C. ROBLE
Hier ist der selbe Vinifikations-Prozeß wie beim Rotwein die Grundlage für diesen exzellenten Wein. Jedoch wird hier eine konsequente "Beerenauslese" betrieben und nur die allerbesten Sorten kommen für mind. 12 Mon. in Fässern aus frz. u. amerik. Eiche zur Barrique-Reife und zur Qualität CRIANZA!
Diese Bodega "Ökologischer Betrieb" zu nennen ist gar nicht so fehl, aber halt haben es "die Macher" nicht >so< gewollt. Obwohl eine schonende Verarbeitung und "naturnaher Anbau" das erklärte Credo von "SON PUIG" ist und bleibt.
Ein beachtenswerter Weinanbau außerhalb der DO: in der "Vi de Terra; Tramuntana/Costal-Nord" (="Vi de Taula" - Tischwein!).

Und was passt bestens zu einem "Vi de Taula", als was auf Mallorca als weitere Spezialität auf "den Tisch des Hauses" kommt: >"SOBRASSADA"<; die berühmte, sog. "Paprika-Wurst". Bestens, in handwerksmeisterlicher Tradition, mit dem Güte- und Herkunftssiegel des
CONSEJO REGULADOR DE LA DENOMINACION ESPECIFICADA "SOBRASSADA DE MALLORCA".
"Einfach", auf geröstetem Bauernbrot vom Lande, ist's DER "SABOR MEDITERRANEO EN LA COCONA". Das Schweinefleisch stammt von hier auf Mallorca aufgezogenen "glücklichen" Schweinen. Der Paprika ebenso von der eisenroten Erde der Insel naturnah aufgezogen/angebaut.

Vielfältig und sehr schmackhaft sind die verschiedenen traditionellen Sobrassada-Gerichte und die feinere Art, z.Bsp.
"Manzanas al Horno con Sobrassada de Mallorca" - mit Sobrassada gefüllte Äpfel aus dem (Back-)Ofen -.
4 Äpfel, saftig und reif, 50 gr. Sobrassada, 4 Teelöffel brauner Zucker, 1 großes Glas des vorgenannten Weißweines und ca. 40 Min. später steht's dann duftend-verführerisch auf'm Tisch.
Zuvor muß man die Äpfel (ungeschält) aushöhlen, das Kerngehäuse entfernen, die mit der Sobrassada dichtgefüllte Höhlung mit dem braunen Zucker abdecken und alles in eine feuerfeste (Tonschale; wie auf Mallorca üblich!) Form für ca. 35 Min. in den auf 180 vorgeheizten Ofen geben.
Mit etwas Honig (Mil) und Granatkern-Sirup, den mit weißem Puderzucker bestäubten Teller und warm eingesetzen (geschmort in Wein) Apfel mittig verzieren, d.h. mit Honig und Sirup garnieren (Kreise oder einen Spiegel auf den Teller!). Dazu passt der Koch-Weißwein -wie vor- und eine Zeit für den Genuß zu viert am frühen Nachmittag.

So lebe ich halt auf Mallorca als
olle Weinnase, "on the road" again in Sachen Malvasia-Wein von Banyalbufar!


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