Weinnase: Geschichten aus Tunesien 2007-2008

8. Brief aus Afrika: Traumhafte Weihnachtstage 2007!

01.01.2008

Liebe (Wein-)Freundin Barbara!

In der letzten Zeit habe ich viel geträumt, weit zurückreichende Träume. Hab' wieder "erleben" können, was ich dereinst so versäumt habe und lange bedauerte. Nun aber als passé träumte - aus und vorbei!
Sehr intensiv waren diese Träume, sehr präzise die Menschen und so genau die Umstände und Geschehnisse wiedergegeben. Und dennoch waren esJahre, lange Jahre, sogar Jahrzehnte, die ich in meinen Träumen zurückging und als so sehr intensive Eindrücke wieder einfing. Erschreckend realistisch!

Es ist kurz nach 23:00 Uhr und ich sitze bei offener Balkontüre, höre dem Meeresrauschen zu und döse, hier in unserer Küstenoase bei Hammamet. Lau ist die Luft und sternenklar der Nachthimmel. Vom Garten der Oase kommen die Düfte nach Jasmin und andere, zarte Blütendüfte auf. Von irgendwo kommen leise Klänge von Flöte und Trommel an mein Ohr; orientalische Klänge in afrikanischer Nacht, die zum Träumen anregt, wenn ich mich gleich niederlege!
Aber, ich hab' im Traum nicht gehofft, daß ich so >schnell< mich von meiner elenden und quälenden Husterei habe hier erholen können. Nur noch selten, sehr selten quälen mich diese schmerzenden Anfälle, so daß ich sogar nächtens -bis auf 1, 2 x an "Störungen"- durchschlafen kann. Für mich eine spürbare Erleichterung und für die BiWi endlich mal fast kaum getrübtes und erholsames Durchschlafen. Die Kur hier hat also positiv zu wirken begonnen. Noch bin ich nicht fit genug um auf die Tour durch die Wüste zu gehen. Da lasse ichs aber auch langsam angehen und werde da lieber mich erst in zwei Wochen in Richtung GRAND ERG ORIENTAL (=Sahara) wagen.

Als wir uns in Tunis -es war BiWi's Wunsch- in der riesigen Medina mit ihren uralten Souks rumtrieben - nieselte es ein wenig und wir haben uns nach dem kleinen Unbill wieder kurz danach in der Sonne wohlfühlen können. Währenddessen ging in der Wüste bei Gafsa soviel an Regen nieder wie -wie es die Alten sagten- noch nie in ihrem Leben: Sturzbäche auf sonnengedörrtem rot-gelben und knochenharten Boden, ließ die (Halb-) Wüste (=Sahel) aufblühen und die Menschen glücklich werden.
Würde es so bei uns regnen, hätten wir "Weltuntergangsstimmung" und Katastrophenstimmung. Hier werden Freudenfeste ob des Unwetters gefeiert, obwohl die Menschen schon sehr nachdenklich ob des Regens = Segens reagierten. Auch hier am "Ende der Welt" ist die Klimakatastrophe ein sehr bedrückendes Thema. Denn hier "wächst" die Wüste so Jahr für Jahr in einem nie gesehenen Ausmaß und vernichtet auf ihrem Vormasch eine nach der anderen lebenswichtigen Oasen und jahrhundertealter Landwirtschaft. Und nicht nur in Tunesien/Algerien, sondern in allen Wüstenländern und -regionen auf dieser Welt geht die Versteppung unaufhaltsam und beängstigender Schnelligkeit immer weiter voran!

Aber dazu später noch mehr, sobald wir bei TOZEUR uns, nach meinem Geburtstag umgesehen und die Dattelpalmen-Oasen besucht haben. Zunächst ist Tunis und Umgebung (Karthago etc.) unsere Destination; Tunesiens "grüner" Norden. Heute bin ich ca. 25 km durch Weinfelder vor Tunis -von Hammamet "anrauschend"- gekurvt (Bus!) und habe nicht schlecht gestaunt, wie groß dieses "Angebot" an verschiedenen Rebsorten und Anbauflächen hier auf dem Cap Bon, bei der Ortschaft >GROMBALIA<, ist. Leider sind einige Rebflächen sehr vernachlässigt und sehen erbarmungswürdig aus. Dafür ist der (Rot-) Wein von hier tadellos und genießenswert.

Zunächst aber sind die sehr widersprüchlichen Eindrücke der Landeshauptstadt (+2 Mill. Einwohner!) TUNIS, die dem Land seinen Namen gab, zu verarbeiten. So dicht wie diese Eindrücke sind, so dicht liegen hier Europa =Moderne und Orient/Afrika =Tradition, Islam und Christentum nebeneinander. Und dies bislang, seit mehr als einem halben Jahrhundert, sehr friedlich und gedeihlich. Die große katholische Kathedrale der frz. Besatzungszeit und die Minarette der Moscheen, die uralte, verwinkelte Medina mit ihren Souks aus der arabisch-türkischen Zeit.
Daneben die großen, breiten baumbestandenen Boulevards aus der "Franzosenzeit", mit Luxushotels, unzähligen Cafés, Brasserien, Shoppingmalls und prachtvollen, stilgeprägten Häusern voller Menschen in schicken Kleidern oder traditionellem Habit des Orients. Sprachgewirr aus aller Herren Länder und dies alles zur winterlichen Weihnachtszeit bei ca. 20 C in der Sonne Afrikas an dem Golf, der von der quirligen Stadt seinen Namen hat: Eine originelle "Mischung" von Menschen, Kulturen und Religionen und Sprachen, bei der (arabisch) tunesisch und französisch unüberhörbar überwiegen; danach kommen deutsch, spanisch, italienisch, griechisch, andere arabische Sprachen und natürlich englisch vor. Neuerdings aber noch polnisch, ungarisch und   r u s s i s c h !
Tunis ist eine prächtige und anziehende Großstadt am Mittelmeer; vorgelagert das uralte Karthago aus der vorchristlichen Zeit und spätere Römische Provinz "AFRICA". Kaum einer weiß, daß die ersten christlichen Gemeinden und Buschofssitz hier angesiedelt waren und die ersten Päpste hier lebten und den Märtyrertod starben: Und dies bevor es das Rom der Christenheit gab! Eine unglaublich fascinierende Stadt, die uns gefesselt hat mit ihrer vielfältigen "Mixtur".

Noch waren wir in keinem Museum oder einer Ausgrabung oder "Kultur-Gedenkstätte", sondern nur in einer sehr lebendigen Stadt am Mittelmeer!
Klar, hier fahren wir nochmal (öfter) her und werden uns ins Leben dieser Stadt einbringen und uns durch die Menschenmassen, in den extrem engen Gassen der Medina, "durchdrücken"!
Eine solche große und guterhalene Medina habe ich noch nirgendwo gesehen. Ebenso den riesenhaften "echten" >ZENTRALMARKT<, mit allen -frischen- Obst-, Gemüse-, Fisch- und Fleischangebot neben allen Gewürzen und Kräutern des Orients, der uns sehr beeindrucktte; besonders in der -unsrigen, heimischischen Winterzeit- Fülle der Vielfalt und Frische!

Zum "Heilig Abend" hat uns die Hotel-Leitung sehr lukullisch mit einem 6 -SEX- Gänge-Dinner bei Kerzenschimmer und Life-Musik und Bauchtanz verwöhnt. Beim Anblick dieser "rassigen Schönen" müssen bestimmt einigen der massigen Herren im engen Hemden die Krägen geplatzt sein. Solchen einen >"Bauchtanz"<, der sich aufs wogende Oberteil fixierte, irritierte nicht nur mich. Bei mir stehts in meinem Gesicht (per Foto!) dokumentiert, so hab auch auch ungläubig hingestiert. So feiert man also in Tunesien Weihnacht.
Bin gespannt, was uns -mir- zur Silvester-Nacht dann noch so alles geboten wurde, waren da meine wirren Gedanken, beim tosenden Tänzerinnen-BH und kaum ohne Schranken der massige Busen der "rassien Orientalin"! Und nun rate mal, liebe Barbara, was uns/wir zu Silvester hier im "Sol Azur" geschah?

Davon erzähl' ich Dir dann mehr im Neuen Jahr 2008
Gruß ans heimatliche "Eisland"
CpS

tunis-bauchtanz


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