Weinnase: Geschichten aus Tunesien 2007-2008

Brief: Durch die Wüste I: Die Chotts und das tunesische Oasen-Gebiet im Süden:
durchs "bewegliche" Land"!

28.01.2008

Am Rande der >GRAND ERG ORIENTAL (Sud)<, der südl. SAHARA, hat der tun. Geograph und Geomorphologe Hedi Ben Ouezdou rund 20 Jahre seines Lebens sehr intensiv mit den dortigen Landschaft, Kulturen und Wüstennatur sowie deren Probleme (durch Umweltprobleme und menschl. Dummheit in tour. Golf-Arealen und über Maßen erfolgter Wasserverbrauch) beschäftigt und wiss. geforscht sowie mehrere aufschlußreiche Arbeiten und Artikel veröffentlicht. Süd-Tunesien ist wohl das fascinierende am Reisezielen (1989, 1994) über die der Wissenschaftler auf frz. berichtete; genauso wie der Commandant ROUDAIRE (1879) und LESSEPS (der Suezkanal-Erbauer!) 1883 es taten!

Nach seinenm letzten Werk... "Entdecken Sie Süd-Tunesien", vom Okt. 1999 -in Zusammenarbeit mit der Uni Würzburg und dem L'Office National du Tourisme, Tunesien-, habe ich mich weitgehend gerichtet. Vom Westen der unwirtlichen Wüstenregion und Grenze zu ALGERIEN bis zum Gold von Gabes, der Oasen-Stadt am Mittelmeer. Längs der ur-alten Karawanenstraße, die schon die sagenhaften Reiter (Pferde-)Karawanen der GARAMANTEN in/seit prähistorischer Zeit, von >TOZEUR< (Oase) bis >GABES< (am Mittelmeer der legend. "Wüstenhafen") vor den riesigen "Kamel"-Karawanen der div. Berber-Stämme (Dromedare von 1.000 an der Zahl je "Treck" verließen Tonzeur: oft an einem Tag!)
Quer durch den gefürchteten Salzsee (alles verschlingenden Sumpf) des >CHOTT EL DJERED<; den schon "KARA BEN NEMSI" (in Karl May: "Durch die Wüste", Bd. 1!) zu Pferde durchquerte.
Dort, wo in Urzeiten auch -ungefähr- der LIMES TRIPOLITANUS verlief, der den "wilden" Barbaren-Stämmen, den BERBERN mit ihren riesigen Dromedar-Herden den Zugang ins vorgeschichtliche Tunesien, zu den sog. NEFZAOUA-Oasen und weiter, ins "kultivierte", nördliche Tunesien, versperren sollte! Doch die Mühen der Nubier und Phönizier halfen -genau wie später auch das mächtige Rom es vergeblich versuchte- michts gegen den "Eroberungswillen" der LIBUS (=Berber) aus dem Gebiet des heutigen Libyen etc.!

Hier, wo Stein- und Sandwüsten, Gebirge und Salzseen riesigen Ausmaßes (ca. 4.600 km2 beim "Chott Djerid"), die Natur seit Urzeiten (letzte Eiszeit!) formten und prägten zu monumentalen "Schönheiten" von besonderem Reiz. Hochebenen, canyon-artige Schluchten, schroffe Bergwelten (z.Bsp. DJEBEL TEBAGA-FATNASSA oder TEBAGA AZIZA) die ges. Breite des heutigen Staates Tunesien mit seinem "Großen östlichen Erg" ein unvergessliches "Gesicht" geben. Hier, wo DOUZ und TOZEUR heute Ziele der "Mercedes-/Jeep-Karawanen" sind, es aber auch noch >sehr wenige< Dromedar-Karawanen als sog. "Sahara-Feeling" über Tage und Wochen, sicher von Halbnomaden/Berbern geführt, ereignisreich und unvergleichlich SCHÖN gibt!
Das größte geol. Becken in Nord-Afrika bietet dies u.a. alles an!

Die zwei "Jahreszeiten" bieten Temperaturen von 10-40 C+, wobei der "kühlere" Winter (10-24 C) mit "einiges" an Luftfeuchtigkeit (durchschn. 134 mm) das angenehmere Reiseklima und das berühmte SAHARA-Festival in der Oase Douz bietet. Wenn der Chebili (oder SCIROCCO), der heiße Wüstenwind in knapp 80 Min. die hohen Temperaturen, noch um 10 oder mehr C aufs Unerträgliche ansteigen lässt und die wirbelnden "Puder-Sände" einem den Atem -und die Sicht auf unter 1/2 Meter- "rauben", der Tag zur staubig-heißen "Nacht" wird, sollte man diesen Teil Tunesiens meiden: Es ist der Sommer im Land der "Sandrosen"!
Selbst die -wenigen- sonst wasserführenden WADIS fallen dann trocken und die Oasen-Quellen "sprudeln" -mit bis zu 38 C- dann weniger, aber salziger. Nur noch 600 m tiefe Grundwasser (Bohrungen) sind dann in etwa Garantie für genießbares (Trink-)Wasser.

Die einst so ge- und besuchten Oasen, mit ihren uralten Quellen, als ARTESISCHE BRUNNEN bekannt und begehrt, riesigen (fast) und nur teure und aufwändige Bohrungen fördern -NOCH- genügend (Trink-)Wasser und sichern in etwa das Überleben in/der Oasen. Die einstigen Quell-Mengen (Nefta; Ende des 20,. Jhdrts!) von 1.000 l./sec. gibts nun -leider nicht mehr. Knatternde Diesel-Pumpen versorgen "Oasen-Hotels" und ext. Landwirtschaft in/um die Oasen-Städte mit riesigen Golf-Hotels der 5 *-Kategorie; von Düdo direkt (Tozeur) anfliegbar!
Ist's -moderne- Wüstenleben so nicht wunderbar: "Heilquellen" und golfen in Wüsten-Dünen-Resorts?!

Wenn, in wenigen Jahren, der pitoreske Wasserfall von CHE BIKA nicht mehr kühlen, rauschen wird, die Oasen von den "wandernden", alles überdeckenden Sahara-Wüsten/Dünen überdeckt sein werden, werden auch die ALL-INCL.-TOURI-TRAMPELTIERE in Bus-/Jeep-Herden ausbleiben und die wenigen, noch sehr "ursprünglich" lebenden Berber wohl Fotoobjekte auf der Promenade von Tunis und und und... die Menschheit wieder um ein Stück Originalität und Lebensqualität beraubt sein.
Die großen, goldfarbenen Sandwüsten (-Dünen) findet man zwischen NEFTA und HEZAOUA, an Rande des Chott el Gharsa, die spektakulären "Sterndünen" am Südrand von Nefleit und Onk Jmel. Bekannt durch G. Lucas. "Krieg der Sterne" und dem "Englischen Patienten", ein touristisches Highlight als "Traumlandschaft" von -fast-unirdischer Apart- und Schönheit!

Und hier suchen noch (Halb-)Nomaden mit ihren Herden in traditioneller Lebensführung, ganz im (kulturellen) Gegensatz zu den "festen" Oasen-Bewohnern (Berber sind aber beide konkurrierende Guppen/Kulturen), karge Weiden und Wasser; ÜBERLEBEN als "Freie in der Wüste": Heute, wie vor 2- oder 3-tausend Jahren!
Klein-Öko-Systeme, wie das überschüssige (Regen-)Drainage-Wasser des >See von Chemsa< bietet unzähligen (Wasser-)Vögeln Heimat und sichert die Oasen-Bewässerung am Südrand des "Chott el Gharsa" (Ibn Chabbat) auf ca. einigen Tausend m2 "Wasserfläche". Ein pitoresker "Sonderfall" und Wasserresevoir in der Sahara von Tunesien, wo sonst Salz, Sand, Gips, Stein, Ton oder Felsen sind. Hier ist das Land der FATA MORGANA (Luft-Boden(Vor-)Spiegelungen!).

Recht vielfältig und "vieldeutig" sind die Namen, die die sehr wenigen Routen für die SICHERE Durchquerung des großen "Chott El Djerid" haben; z. Bsp. "Schneeboden", "Feuersonne", "Fester See" oder gar "bewegliches Land" haben.
Diese(r) Salzsee entstand durch dauerhafte Verdunstung und Absenkungen, versiegende Quellen und Zuläufe seit der Zeit des QUARTÄR (v. 200.000 - 100.000 Jahren), und verloren dabei ihre Wassertiefe von bis zu 25 Metern. Übrig blieben Salz -Moraste- Sümpfe mit schwankender, unsicherer, selten/kaum begehbarer Oberfläche, die -trügerisch- fest erschien!
Geschmolzenes Glas, polierter Marmor oder gar gefrorenes Meer waren die oft gehörten Vergleiche für die trügerische Oberfläche des/der Salzseen mit erdrückender Hitze und täuschenden Bildern, den FATA MORGANA's!

Geschichtsschreiber aus dem antiken Griechenland, Rom u.v. arabischen Quellen sowie s. Zt. angesehende Historiker berichteten schon seit der Zeit der Antike von in dieser tückischen Schlammwüste versunkenen Reisenden, teils mit ihren hilflosen Reittieren (Pferden u./o. Dromedaren). Sogar Karawanen mit vielen Tieren und Reitern, sogar Armeen sollen so spurlos verschwunden sein.
Karl May lässt seinen Helden "Kara Ben Nemsi" im Bd. 1: "Durch die Wüste", ca. Mitte des 19. Jhdrts., ein für die ihn auflauernden "arabischen Schurken" tödliches Abenteuer auf dem Weg von Tozeur nach Douz, mitten im Schott, bestehen; dabei kam sein Berberführer aber (mit Reitpferd) im Salz-Sumpf auch um. Denn noch heute führt nur eine sehr schmale "Piste" durch den tödlichen Salzsee!

Die Herrn Ferdinand de LESSEPS (der SUEZ-Kanal-Erbauer) und Commandant RUDAIRE, wollten die "Landbrücke" bis Oeredref (ca. 30 km) zum Mittelmeer durchbrechen, um so die Schotts mit dem Meer verbunden, eine riesige Seefläche -schiffbar- zu schaffen. Ihre widersprüchlichen Vermessungen ergaben aber schlußendlich, daß nicht alle Salzseen unter dem Meeresspiegel des "Golf von Gabes" -nur der Chott El Gharsa- lagen, sondern ca. 10-15 m höher. Das utopische Projekt wurde daher nie realisiert; was das sehr debile Gleichgewicht des einmaligen Ökossystems noch weiter zerstört hätte. So wurde der Mythos des Sahara-Meeres nicht belebt und die seit 5 Jhdrt. vor Christi erzählte Mär des "TRITON-SEE" und seines (Zu-)Flusses gleichen Namens blieb im Dunkel der Geschichte(n).
Der griech. "Reiseschriftsteller" HERODOT war so ungenau in seiner Beschreibung/Aufzeichnung, daß es nie bewiesen werden konnte >wo< dieser sagenhafte Fluß/See denn hätte, archäologisch oder historisch nachweisbar, sein können; obwohl die Cardium-Bänke (Herzmuscheln, als Meeresbewohner) im Landesinneren schon diesbezügliche Rätsel aufgeben.
Die ur-alte Karawanenstraße von GAFSA nach GABES ans Meer und an den sog. Wüstenhafen gabs und gibts noch heute. Sogar den Schienenstrang von einer Eisenbahn gibts und gilt, nicht nur bei Eisenbahn-Fans, als ein Traum (Metlaoui). Durch die expressive SELJA-Schlucht führt die pitoreske Route des >LÉZARD ROUGE< (="Rote Eidechse"); eines sog. Salonzuges im Stil der prächtigen, frz. Kolonialzeit, durch eine der landschaftlich reizvollsten Gegenden im südl. Tunesien für ca. 20 TDN. Metlaoui, die heutige Phophat-Bergarbeiter-Stadt ist dabei wenig -touristisch- sehenswert und gilt bei den heutigen Machthabern, um Staatspräsident Ben Ali, als "Unruheherd" der Arbeiter (ca. 6.500!) dort.
Die Bergoasen in unmittelbarer Nähe zur algerischen Grenze, u.a. CHEBIKA, TAMERZA und MIDÉS haben aber noch das Flair, was im Film der "Englische Patient" so begeisterte und zu "Wandertouren" verführt, wo bei Midés noch touristisch unberührter erscheint und das Hotel "TAMERZA PALACE" als noble "Wüstenherberge" u(4*) gilt; in der gleichnamigen Berg-Oase liegend, das DZ für ca. 140 TDN/Nacht.

Einige, weitere Eindrücke aus dem Süden Tunesiens folgen noch, wenn ich mich wieder -geschwächt von Lungenentzündung und Kreislauf-Problemen- weiter erholt habe.

CpS,
Auf Kara-Ben-Nemsi-Tripp!


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