Weinnase: Geschichten aus 2007

Die Büchse der Pandora!

30.07.2007

Tach aber auch!

Quasi eine Büchse = "Flasche der Pandora" bewahrte ich als Geschenk eines mir freundschaftlich verbundenen Fachjournalisten seit vorigem Spätsommer auf. Denn ich war genauso ahnungslos, wie weiland die naive 3. Gattin des großen Zeus. Was für ein "Schatz" an Rotwein aus dem Jahre 2002 lagerte hier.
Bis gestern zum frühen Nachmittag, einem Sonntag als z.Zt. "typischen" Regentag im Juli des Jahres 2007. Zu gartenfrischen Zucchinis - aus eigenem "Zaubergarten", gefüllt mit Lammhack, vom türk. Metzger in Oberbilk, reifen Tomaten und Basilikum von intensivem Duft. Stampf-Kartoffeln mit Mandeln aus der Türkei waren als Beilage bei den mit Käse und Tomaten, etwas Olivenöl und Käse überbackenen Zucchinis.
Einfach, aromatisch, frisch und - bis aufs Fleisch (u. Mandeln) alles aus biologischem Eigenanbau aus dem "Zaubergarten", hier im >SOUTHPARK< von Düsseldorf am Niederrhein.

Was ist dies für ein vinophiles Schätzchen dann gewesen. Kaum etwas von dem abgeriebenen Etikett war noch zu lesen. Das bräunliche Glas der 0,75 ltr. Flasche ließ die Weinfarbe =rot= erahnen. Rückseitig war noch das Siegel von Navarra als "GDO" und das Jahr 2003 zu erkennen; also wars eine Flasche aus Spanien und die Ernte in 2002. Der Wein war also 5 Jahre alt, und hatte 14,0 % Alk. - so war es noch schwach am abgerissenen Label der Vorderseite erkennbar. Kaum entzifferbar der Name des Erzeugers; nur sein Logo >"BI"<. Und ein großes, goldfarbenes >"N"< auf dunklem Papiergrund. Ein teils sichtbarer Schriftzug lautete "... >texturas del norte<". Als Bodega-Name prangte noch undeutlich und größtenteils abgerissen "...>"RIETA"<.
Mit großer Skepsis öffnete ich zu dem duftenden Essen vor mir die Flasche. Ein "saubergezogener" Korken, meine Weinnase signalisierte mir einen "korkfreien" Wein und der Korken gab den Bodega-Namen >>INUPRIETA<< und eine Nr 8 frei.

Die "Flasche der Pandora" war offen, der Vino Tinto war dunkelrot-samtig im Glas und zeigte deutliche "Kirchenfenster". Die neugierige Weinnase stellte reife Fruchtnoten von roten Früchten und Kräutern sowie Spezereien fest. Über die Zunge ergoß sich etwas sehr erstaunliches: samtig-weich, aber mit perfekt eingebundener Säure im Hintergrund gaben sich ein Bukett reifer, roter (Beeren und Pflaumen) Früchte mit Pfeffertönen, Kräutern (Thymian!) ein intensives "Stelldichein" und im Abgang ein sehr langes Nachspiel.

Der Wein ersetzte uns für eine Stunde die fehlende Sonne, bereitete Genuß und Freude und war ein guter Begleiter zu dem kräutrig-pikant gewürztem mediteranen Sonntags-Essen mit sonnengereiften Tomaten und Zucchinis, frischem Thymian, Schnittlauch, Knoblauch, Oregano und fr. schwarzer Pfeffer aus der Mühle.
Als Tipp: die Zucchinis halbieren und das weiche, kernige Innere mit einem gr. Löffel vollständig entfernen und dann die Hälften, pro Pers. 2-3 Hälften, blanchieren, gut mit Salz, Pfeffer und scharfem Paprikapulver würzen, mit dem Lammhack füllen und dann im Backofen bei ca. 180 backen, bis die Frucht gar und Käse sowie Tomaten und das (Lammfilet)Hack kross und duftend-braun ist. Mit etwas Gemüse-Brühe aufgießen und ca. 25-35 Min. im Ofen lassen.
Dazu Reis, Nudeln -oder wie wir- Stampfkartoffeln mit gerösteten Mandeln in Butter servieren!

Tja, es lohnt sich also, als olle Weinnase, ruhig solchen "abgerissenen" Flaschen zuzuwenden und das -unnötige- Lagern zu beenden. Denn der Wein war trinkreif und fein. Kein "Monster"-Wein, selbst bei dem Alk.-Gehalt nicht. Noch 1-2 Jahre "stabile" Lagerzeit wäre m.E. max. noch drin. Mach aber keinen Sinn; besser wird dieser Wein dadurch sicherlich nicht. Eher zum "Risiko-Fall".

Das Anbaugebiet in Spaniens "Norden" ist mir zwar bekannt. Diese Wein, diese Bodega allerdings nicht, was ich aber schnellstens ändern werde. liegt teils am Jakob-Pilgerweg und ist schon in vor-römischer Zeit Weinanbaugebiet gewesen (Fundes, Pamplona) und mit ca. 17.200 ha - mit 5 Subzonen unterschiedlicher Klimata und Böden (hauptsächlich bräunl. Kalkböden auf lockerem Unterbau). Zwar nicht der größte Jahrgang war der 2002er (wie 2001, 2005 oder 1995) aber hier ein sehr guter Wein, der gefällig aber auch eigen - nicht überlagert - ist. Wohl ein typisches aus der D.O. Navarra/Espana; auch was die hier üblichen roten Rebsorten - Tempranillo, Granacha Tinta, Graciano, Merlot, Cabernet Sauvignon, Mazuela - betrifft.

Unser Wein-Forumianer und Wein-Fachjournalist Wolfgang Faßbender kann hier bestimmt Euch etwas mehr zum Wein/Bodega und Preis "erzählen". Schließlich war er der "edle Spender", dem wir hier nochmals danken und einen lieben Gruß ins "Bergische" bedenken! Oder ins Schweizer Berg-Land?

Es lohnt sich also auf vinophile "Entdeckungen" sich, so auch bei Weinen in Flaschen ohne - kpl. lesbare - Etiketten, ruhig einzulassen.

Eingelassen habe ich mich s.Zt. auch, als mich der damalige Bürgermeister von Bergamo, in der Türkei - Anatolien - , der hochgeachtete Aga Taksim, mich bei sich - im antiken >PERGAMON< - zu einem Glas mit kühlem Sharap = Wein (weiß) einlud.
Pergamon war in der Antike ein Ort der Göttin Aphrodite (Schönheit und Gesundheit; Weiblichkeit!). Und hier war nicht nur ein, damals weltweit bekanntes Heiligtum, sondern ein "Health-Center", weit über die Ägäis hinaus für erfolgreichge Heilungen bekannt; und ein Kur-Touristen-Zentrum der Antiker (Griechen, Phönizier, Römer u.s.w.).
Mein türk. Weinfreund Taksim schwor mir, "beim Barte des Proheten", daß das auch der hier seit dieser Zeit angebaute Weißwein sei. Der einst auch als "Heilmittel" eingesetzt und seit der Antike unverändert angebaut wird. Nun... anders als andere (türk.) Weine schmeckt mir der Wein der "40 Märtyrer" schon. Was mir Aphrodites Erbe kredenzte, weiß ich nicht genau. Aber wohl ein hier typischer, heimischer Wein aus der Region "Goldenen Ebene" an der türk. Ägäis.
"Pandoras Flasche" war schnell geleert und ich war, sehr geehrt, als Gast zum Tase Tavuk (*) vom Rost und Rosinen-Reis, sowie knackfrischem "Hirten-Salat" bald von der anstrengenden Wanderung und Besichtigung (soweit das Auge reicht: viele, viele, viele Trümmer!) eingeladen zu sein.

Ja, die olle Weinnase war schon immer und gerne... "Entdecker" solcher unerwarteter Genüsse; und dies seit über 40 Jahren und weinweltweit und zu jeder Tages- oder Nachtzeit. Als >Pfadfinder< bin ich doch "allzeit bereit"! ;-)) !!

(*) Fr. Hühnchen vom Rost zu Tomaten, Lattich und Oliven-Salat/Käse!


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