Weinnase: Geschichten aus 2007

Spanische Helden!

03.08.2007

- eine Story, die in 1997 begann -

Tach aber auch!

Hager, dürr und mit zauseligem Bart unter altersschütterem Haar, so vor über 400 Jahr, trat ER gegen Riesen in der La Mancha an. Der Protagonist des span. Dichters und Schriftsteller, dessen Jubeljahr in 2004 war: Miguel de Cervantes!
Mit dem märchenhaften Buch über den "Ritter mit der traurigen Gestalt" >"Don Quijote"< hat der Schriftsteller im 16.ten Jahrhundert der Kornkammer Spaniens ein unvergessenes Denkmal gesetzt. Den holländischen Windmühlen, die den aufstrebenden Reichtum vor 500 (!) Jahren in der La Mancha begründeten, ebenso. In der kargen Weite der Hochebene von rötlicher Erde hat Cervantes die grotesken Abenteuer dieses span. Helden angesiedelt (siehe: Camoe de Criptana).
Und hier hatten auch die kampftüchtigen "Mauren-Töter" des 1.ten span. Ritterordens seit 1158 ihre festungsartige Heimat in der Burg-Anlage von <Calatrava la Nueva> bei Aldea del Rey und Calzada de Calatrava. Zwei kleine Dörfchen an der kaum befahreren öden Landstraße in der Nähe zu dieser Sehenswürdigkeit. Was Wunder, wenn in dieser Gegend fast alle Städtchen und Dörfer den Zusatz (Beinahmen) Calatrava führen. Der Abt Raimundo Serrat legte den Grundstein und der Orden zählte -zeitweise- 350 Dörfer und Weiler sowie über 20.000 (!) bestbewaffnete Ritter im 12.ten - 14. Jahrundert. Pitoresk ist die Burg (+1.000 ü.M.), trotz ihrer Erdbeben-Schäden (1802); auf der Hügelspitze ein kuppelartiges, monumentales Castell. Es muß den Menschen der damaligen Zeit des "düsteren" Mittelalters sehr "gewaltig" vorgekommen sein, wenn die christlichen - teils priesterlichen - Kriegsherren zu Pferde durch die Gegend in unzählige Schlachten zogen: Die ehem. Zisterzienser-"Kluft" gegen einen weißen, leinernen Waffenrock, einem Skapulier mit schwarzer Kapuze und einem Pilgerkragen eingetauscht, wirkten diese Ritter doch - bei Freund und Feind (=Mauren/Araber) - sehr düster und bedrohlich. Lange Zeit verbreitete der weite Mantel mit dem roten Lilienkreuz Not und Leid und Schrecken seiner Zeit der ritterlichen Helden und tückischen Heiden!

Würde in der heutigen Zeit ein Don Q. gegen "Riesen", Windmühlen, mit Schwert, Lanze und Sattelknecht Sancho Pansa ziehen, würde er vor den modernen Windmühlen, den Arrealen der Windkrafträder von 60 Metern Höhe furchtsam stehen. Denn hier auf der stürmisch-kalten Hochebene entsteht der 2. Energie-"Schatz" Spaniens, der schon heute +18% des stetig steigenen Energiebedarfs deckt.
Entdeckt hat diese garstige Gegend auch der Regisseur-Held der span. Cineasten, Pedro Almodovar. Der dickliche, quirliche jg. Mann hat mit seinem Opus >"VOLVER"< der Mancha abenfalls ein Denkmal gesetzt.
Hollywood-Diva Penélope Cruz als Actrice, die "verlorene Weite" der La Mancha und eine beeindruckende Begräbnisszene als "Overtüre" des Ausnahme-Films, weite Olivenhaine und das stete Grün der Rebhügel und Felder, rote Erde und die Fantasie des Kult-Regisseurs und DER Satz des "traurigen Helden" in der Erinnerung "en un lugar de la Mancha, de cuyo nombre no quiero acordarme...". Dazu die klagende Frauenstimme, ein melancholischer Tango als nahegehende Filmmusik, die von der "Heimkehr mit welker Stirn" und von "Schläfen, die versilbert sind vom Schnee der Zeit" so gekonnt "erzählt", daß ist die LA MANCHA der Cineasten unserer Zeit.

Um dieses Stück melancholischer Landschaft zu erleben, sollte man sich ins "Land der Riesen", noch tätigen Windmühlen und mittelalterlichen Dörfer, Städtchen selber mal - von Madrid per PKW - bewegen. Empfehlen kann man das CASTILLO PILAS BONAS zun Einstig ins Mancha-Feeling. Den Cervantes-Roman fürs Kopfkissen dieser Burganlage aus dem 14. Jhdrt., die Hilario TOLOSA, als ein stilechtes Refugium im Ockerton mit mächtig-prächtigen Eingangstoren, uns als Hotel (der Ritter und Templer s.Zt.) nebst sehr gediegenem Restaurant - und eine entspannte Tapas-Bar - erhalten hat.
Mit der Spezialität >"Galianos"<, einem würzigen Wild-Ragout mir Rosinen und Safran, der der sehr empfehlenswerten >Perdiz de Casa en Escabeche Suave<, der Suppe aus landestypischem Wildgeflügel, Pilzen, Peperoni und vielen Eiern sowie die NEUEN Weine aus der La Mancha, tun ihr übriges, und man möchte sich in die "stilechten", gediegenen und großzügigen Hotelzimmer (z.Zt. noch 5; 25 sollen folgen!) zurückziehen und lesen, nachdenken und in der Ruhe des Hauses mit Namen "Gutes Wasser (Tröge)" = Pilas Bonas träumen, wie's Leben hier und im Mittelalter wohl mal war, in Manzarnares, in der La Mancha.

Den Charme der span. Provinz, die leichte Morbidität der ur-alten Gebäude und die >PLAZA MAJOR< der kl. Stadt >ALMAGRO< sind ein muste für architektonische Fans der La Mancha.
Einst sehr reich durch die größte Quecksilber-Mine der Welt, im Besitz der Fugger-Dynastie - Almagro's "Goldene Zeit" - in der "La Mancha-Steppe" und viel, viel Nostalgie und das sehenswerte, einzigartige Theater s.Zt. in Spanien, der >"Corral de Comedia"< nebst heutigem, alljährlichem "Festival International de Teatro Classico" muten shakespearehaft -mittelalterlich- an. Der große Meister Almodovar ließ deshalb auch hier einige eindrucksvolle Szenen seines Films "Volver" handeln: ALMAGRO.
Und an noch etwas erinnert der Namen des pitoresken Städtchens von ca. 7-8 Tausend Einwohnern: An Zahnfüllungen der billigen (giftigen) Art und Ur-Väter Weise/Zeiten.
Empfehlenswert gilt hier das Rest. in einem uralten, historischen Gebäude, der >"Posada de Almagro"< mit ihren typischen "Landesgerichten" und lokalem Weinangebot. Wer hier im ehem. Kloster "Santa Catalina" übernachten und gediegen-spanisch residieren möchte, der reserviere unter 0034-926-860100 und logiere stilecht im >"Parador de Almagro"<.
Ebenso - als örtliches Spitzenrestaurant - gilt das "El Corregidor" in der Calle Jeronimo Ceballos 13.

Naturfreunden unter den reisenten "Theater"- und Weinfreunden kann man nur den Besuch des nahen Naturparks, zwischen den Gebirgszügen der "Sierra de Calatrava" und der permanenten Lagune, dem Feuchtgebiet der "Tablas de Daimiel" empfehlen. Dieses wird von den beiden mäandernden Flüsschen Guadiana und Cigüela gespeicht. Es ist die angestammte Heimat seltener (Wasser-)Wildvögel. Aber... nur noch knapp 3 (!!!) Prozent der seinerzeitigen Wasserfläche sind noch sichtbar. Statt mit Booten, ist man nun mit Traktoren und All-Rad-Wagen hier unterwegs.
Ein weitverbreitetes spanisches (weltweites!) Dilemma ist hier schmerzhaft erkennbar: Wasserknappheit und Versteppung einer einstmals fruchtbaren Region und "Wasserlandschaft".
Genau dies ist das allgegenwärtige Thema der Bauern und Winzer in dieser Gegend der La Mancha. Noch vor 10, 20 Jahren gaben die damals ergiebigen Brunnen ihr frisches, sauberes -kühles- Wasser aus einer Tiefe von "nur" 15 mtr. her. Heute muß man schon aufwendig und teuer in 60/80 mtr. die Brunnen bohren, um den stetige versiegenden Wasser der La Mancha nahe zu kommen. In wenigen Jahren wird dieses Naturschutzgebiet - auch dadurch - trocken fallen und die einzigartige Natur "sterben", wie Millionen (an Tieren und seltenen Fauna und Flora-Arten) Spezies des Daimiel !
Nicht nur der allseitig sicht- und spürbare Klimawandel trägt hier eine Schuld. Nein, die Wasserknappheit ist hier - wie an anderen Stellen und Orten der iberischen Halbinsel - "hausgemacht" und die Folge von Raubbau, "Wildwuchs" des Baubooms , wasservertilgende Monokulturen und Vernichtung von wenigen, restlichen Waldrefugien etc.!

Auch wenn die "Neuen Winzer" hier die sparsame Tröpfchen-Bewässerung mit EU-Mitteln für den sich ausweitenden Weinanbau in der La Mancha einsetzen, sie - u.v. andere - graben sich ihr schwindendes Wasser selber ab, bloß um nun auch hier billiger als in den Nachbar-Regionen subventionierten Weinanbau zu betreiben, den "Weinsee" in der WeinWelt zum überlaufen zu bringen. Dabei die Natur und die Zukunft der einzigartigen Kulturlandschaft LA MANCHA niederzuringen, zum versiegen des Reichtums der Natur und Wasser-Ressourcen erheblich beizutragen.
Nicht mächtig-prächtige "Kathedralen des Weins" sind hier seit Ende der Neunziger des letzten Jahrhunderts aufgebaut oder ausgebaut worden. Kein Bodega-Prunk von Star-Architekten "verschwendete" hier europäische Steuer-/Fördergelder, wie in den Regionen RIOJA oder Ribera del Duero in blendendem Stahl und polierten Marmor/Granit, funkelnd und prunkend.

Die COOP, in der Öko-/Bio-Weinbauer seine Weine (Airén, Tempranillo) vom jg. Kellermeister Jorge Martinez zu jugendlicher Frische, statt überbordende Opulenz ausbauen lässt, stammen aus rotbraunem Sand-, Kalk und Ton-Böden mit hohem Stein (Kiesel-)Gehalt der Bodega mit dem Wein <"EL MOILNO"> des Bio-Winzers des >"Cencibel"<, wie La Mancha auch seit altersher genannt wird. Statt, traditionell "überreife" und zu üppige Weine zu produzieren, hat der engagierte, sympathische "Vorzeige"-Winzer eine "Benchmark" der "Neuen Generation" an Rot- und Weißweinen (Airén!) gesetzt.
Craciano Bordegé del Rio heißt der hier erfolgreiche Bio-Winzer. Und sein Oenologe ist der v.g. Kellermeister der Cooperative, der den feindruchtigen Tempranillo der Bodega (Coop) <"JESUS DEL PERDON"> uns "geschenkt" hat. Für nur 4,95 Euro die 0,75 ltr. Flasche ist dieser Rotwein aus der "La Mancha" kein Billig-Schnäppchen. Er ist mehr, er ist ein formidables Geschenk an uns Genießer und Weinfreunde im Weinplus-Forum. Ein Traum von Rotwein aus dem Jahre 2006. Eleganz, Frische und Temperament und keine "lahme Rosinante" oder üppiger "Sancho Pansa"-Wein. Verführerische, typische Tempranillo-Aromen, stabile, rassige Struktur der perfekt eingebundenen "runden" Tannine und "erfrischende" Säure geben diesem Wein (s)einen betörenden Charme.
Nur die sorgfältige, schwere Arbeit des Winzers, seine Hingabe und strengste Selektion, haben aus der Region um Manzanares Spaniens größter, zusammenhängender Weinanbaufläche - mit 193.000 ha. - entstehen lassen. Nährstoffarme, mineralische Böden und ein karges, rauhes Leben haben die Reben zu seinen "Höchstleistungen" gebracht, die mit moderaten Alkohol-Graden und physiologischer Reife zu fairen Preisen, die "Greisen-Weine" der Nachbar-Regionen das Fürchen lehren: als "Aufsteiger" des ehrwürdigen span. Weinbaus.

Hier, wo auch im span. Hochsommer das "erstaunte" Thermometer unter 20 stehen kann, der Wind stürmisch und rauh einem den Pullover am Abend aufzwingt, bestimmt das Klima den frühen Erntezeitpunkt, damit diese sehr bekömmlichen Weine schonend gekeltert werden können.
Weißweine aus 100-jährigen Stöcken der sonst nur für den Brandy, Espanol angebauten <Airén->Rebe erstaunen die Fans der span. Weine. Es ergeben sich hier richtig feine Qualitätsweine mit stabiler Säure-Struktur und viel "Trinkspass" in der Flasche "El Molino blanco", 2006, La Mancha D.O. für nur 4,80 Euro/0,75 ltr., einer der Geheimtipps für Weinfreaks mit Grips. Daneben tuts doch -aus gleichem Jahr- einen "Rosado" in himbeerrot geben (4,80 Euro/0,75 ltr.).
49 ha. bewirtschaftet der "Energiegeladene" seit 1 Jahren streng und kontrolliert "biologisch". Weitere ca. 150 ha. Getreidefelder auf denen zukünftig -teilweise- Medizinalpflanzen und Kräuter biologisch angebaut werden, verrät Graciano. Der 87 jährige Florentino, der quietschfidele Vater des Winzers, lächelt verschmitzt dazu. Er empfiehlt eines der weltbekannten Produkte der Mancha als perfekte Genußergänzung: den <MANCHEGO>. Käse mit Ursprungsgarantie und Zeugnis, auf dem als Signet des Herren der La Mancha von trauriger Gestalt, als Schattenriss, prangt und für besondere Qualität hier bürgt. Ein reifer Manchego zu den Aromen des 2006er "El Molino Tinto" ist ein perfekter Gesellschafter.
Dunkle Kirschen, Pflaumen in Reife duften zu Anklängen von feinen, pikanten Gewürznoten und Halbbitter-Schokolade. Im Munde dann ein perfektes Duett von geschmeidig-seidigem und zugleich kernig-stabilem Geschmack eines Weines mit viel Genuss und Persönlichkeit zur säuerlichen Frische des Queso Manchego, eine "Spanische Helden-Geschichte"!

Und damit viel Spaß,
Eure olle Weinnase
- einst dort on the road again! -


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