Weinnasen-Geschichten aus 2007

Der erste Tag ohne "SIE"!

oder: "Traktat über die Narretey"!


01.09.2007

Gestern, am letzten Tag des offiziellen Sommers 2007, "entfloh" "SIE" gegen Süden. Über die Schweiz, Alpen nach Italien. In die Ruhe der Toskana zogs "SIE" wieder hin. Und hier findet "SIE" wieder zum Sinn ihres Lebens hin. Ich freue mich für "SIE".
Denn "SIE" ist meine Freundin Barbara, der ich schon so viel von mir anvertraut habe und zutraue, mich und meine Nostradamus-haften, unruhigen Geist (geb. 1566) und Kryptik zu verstehen. Ich hoffe nur, ich habe "SIE" in all den Jahren nicht überfordert, diese Echte Barbara Becker, meine (Wein-)Freundin und congeniale Mitautorin als "Chronistin" der "ollen Weinnase"; nur aescht mit dä "Rheinischen Narrenkapp" om Kappes!
Von IHR weiss ich via SMS, das "SIE" gut angekommen und sich in der Geborgenheit toskanischer Gastlichkeit und Hospitalität, bei schönstem Sommerwetter und Sonnenschein (+27C) wohlfühlen und erholen wird.

Ich erlebe, bei nächtlichen Temperaturen von gerade 7C, den Sommerausklang mit Regen und dunklen Wolken -düster- über der kleinen Stadt am Niederrhein. Dort, wo im Southpark, im Süd-Westen der Universitätsstadt der Campus, und mein kleiner "Zaubergarten", gelegen ist. Jetzt ists dort etwas trist geworden!
Der starke Regen hat die spät-sommerliche Blütenpracht zerschlagen und das Obst, viel zu früh, vom Baum geholt. Der Fäulnis-Pilz "Mehltau" herrscht fast überall. Nur meine Trauben, im satten dunkelblau hat er noch nicht ergriffen!

Meine eigene "Düsternis" hält mich noch immer fest und eigensinnig wie inniglich umfangen. Immer müder, matter und "bewegungsloser" werde ich. Komme noch selten aus dem Haus und mag auch keine Einladungen annehmen. Verweigere mich. Den Wein-Genuß halte ich kontrolliert "niedrig", d.h. bei mäßigem Konsum. Das genüßliche Pfeifchen habe ich fast ganz beiseite gelegt. Beiseite legen müssen, da mich meine angegriffenen Lungen und "mäßige" Gesundheit dazu "zwangen". Fast jede Nacht, nach nur 4, 5 Stunden eines unruhigen Schlafes, sitze ich, lese und schreibe ich.
Auch diese Aufzeichnungen, sog. "Weinnasen-Geschichten" und Wein-Degustations-Erlebnisse sowie Erlebnisse eines "unruhigen" Lebens mit Grenzerfahrungen, viele Reisen und... was mir grade "bemerkenswertes" durch den scheints nie müden Kopf geht: Weinnasen-Geschichten halt, sowie Erinnerungen eines Greises. Einige haben im Internet, unter www.wweinnase.de und bei dem z.Zt. (seit 1996/97) größten, deutsch-sprachigen Forum, der Plattform in Sachen <WEIN> im Internet, ihren "kryptischen" Einzug gehalten.
"Suchmaschinen" der Internet-Dienste zählen hier Zehntausende von Nennungen und Tausende von Dokumenten auf. <WEINNASE> ist ein "ergiebiger" Suchbegriff; auch im Archiv des www.wein-plus.de.

Noch immer habe ichs geschafft, mich stets aufgerafft um der Düsternis, in und um mich herum, zu entgehen. Licht am Ende des Tunnels sehen, um mich im "bunten" Leben weder genüsslich umzusehen und aufzugehen. Wieder ein Stück meiner "Via Mala" weiterzugehen: Fast alles zu begreifen aber niemals eingreifend! So scheint es!!
Wer genau meine "Geschichten" liest, wird oft bemerken, daß ich ein Reisender war/bin. Oft früher an den "Reisezielen" der Geschichte/Historie als die meisten meiner "Zeit-Genossen", mich eine gelehrsame Zeit aufhaltend, und voraus!

Entstanden aus einem mörderischen Bruderkrieg gegen Karlmann (verstorben mit schon 20 Jahren) kam der Mythos, des durch den Papst zu Rom am Weihnachtstag des Jahres 800 zum Kaiser des hlg. römischen Reiches teutscher Nationen gekrönte Frankenkönigssohn <KARL DER GROSSE>.
Der "Reise"-Kaiser brachte zwangsweise die Neue Lehre, "das Christentum" im Zeichen des Fisches und der Rebtraube über Europa. Seine nachweislichen Reisen im riesigen "Deutschen Reich" trugen ihn auf Pferderücken mehrmals die Strecke "um die Welt". Sein Kult des "Unbesiegbaren" erlitt erstmals im unheiligen Krieg gegen die Sarazenen in Spanien Schaden.
Seine verlustreichen Kämpfe gegen den Hetman WIDUKIND (=Wittekind) der Sachsen, dem Volkstribun, machten ihn, den 33-jährigen Kaiser, deprimiert und zum "Besiegten". Karl der Reichseiniger, Träger des Lichtes und Verbreiter des Wissens, baute sich in Aachen, als 55-jähriger sein "eigenes Rom". Als sichtbares Zeichen die Marienkirche. 400 Jahre war ihre Größe, die der Kuppe das höchste Gewölbe der Welt. Symbolisierend das sog. "Himmelsreich". Hier war er im Zenit seiner Macht und lebte (wohnte) im sog. "Granus"-Turm des kaiserlichen Palastes, zu Aachen, an den heißen Quellen römischer Brunnen.
Karls Verdienste sind so ungeheurlich "verklärt" und sensationell vielfältig, so daß der Mythos des "Germanen-Königs" überwältigend, wie die Zahl der Fälschungen der Dokumente seines Schaffens, ist. Unermessliche Reichtümer und sagenhaftes Wissen, aus ur-alten Quellen der "Eisenmänner", deren Anführer er war, werden ihm zugesprochen. Der Mönch Einhard als Chronist seines "vergötterten" Carolus, hat wohl den historischen Kriegerkönig der Franken zum Idealbild eines kaiserlichen Herrschers und -fast- Heiligen "stilisiert". So richtig weiß aber heute niemand mehr, wer "Karl der Große" wirklich war und welches seiner "Verdienste" die seinen tatsächlich waren.

Nicht mit diesem Mythos vergleichen kann ich mich. Aber genauso unermüdlich bin ich unterwegs in Sachen "Reiner Wein". Meinen Familien-Namen, aus karolingischer Höfezeit, der Zeit der Pfalzen urkundlich stammend, dem Namen SIEGHERR mache ich mit meinem unermüdlichen und unerschütterlichen Glauben an den "Reinen Wein" wohl alle Ehre im steten Kampf gegen Arroganz und Ignoanz, gegen Dummheit und Gier, die unheilvollen Zwillingsschwestern im Visier!

Auf "römischem Boden", im Gebiet der Maas, waren meine urkundlichen Vorfahren erstlinig Bauern. Freie Bauern mit Wald-/Holz-Rechten und Pflichten, ihren Nachbarn Schutz bei Naturkatastrophen und gegen kriegerische, räuberische Überfälle bieten und für sie, in Zeiten der Unbill, zu sorgen. Und, den jeweiligen Fürsten mit Soldaten, Priestern für die Fürst-Bischöfe, Juristen und Magistern für die königliche Verwaltung der Heimat, Söhne für den Übersee-Handel der königlichen Handelsgesellschaft in Ost-Indien, in Batavia zu stellen.
Kinderreich und "streng katholisch" war bislang unsere Familie, als deren männlicher Nachfahre ich kinderlos sterben und diese Linie beenden werde. Heerführer, Schlachten-Sieger und Eroberer, Ausbeuter und Heilsversprecher, Rechtsvertreter sah die Welt genug. Mit meinem Großvater, fast 100-jährig verstorben, ging die bäuerliche Linie zuende. Mit dem Tode des gefürchteten SS-Mannes, die Linie der Verteidiger des wahren Glaubens alter Zeiten und Kriegsherren zu Ende.
Mit mir kam die Wende in der sturen und gefühlskargen Familie, zum 2.ten mal in so langer Zeit: es begann die Zeit des Närrens, der jeden zum Sieger krönt, der gegen ihn kämfen will. Der die Verwaltung und Rechtspflege mit Paradoxen zur schieren Verzweiflung mit seinen Klagen und Anträgen trieb, der Luxus als "freien" Genuß propagierte, der "Dies und Das" studierte und sich nicht genierte, in der Öffentlichkeit der Narr und Dummkopf zu sein. Aufs Pächtigste zu gaukeln und "das Kind schon schaukelnd" sich die Langeweile zu vertreiben, dies soll seine "Ars Vivendi" gewesen sein. Aber doch auch immer bereit, die "Via Mala", am Rande des Abgrunde -neugierig und Wissen suchend-, zu durchschreiten.
Bis am Ende der düsteren, kalt-feuchten Schlucht wieder die Sonne tat scheinen!

Einen größeren Narren als den -angeblich- aus dem flämischen Leiden "abgehenden" Juristen mit Doktorhut, und gewisser Wut gegen die Dummheit und Gier sowie Vorliebe für Völlereien und Kumpanei, weltmännisch und genußreich orientiert: < TILL EULENSPIEGEL >.
Charles de Coster (ein "gebildeter Belgier") setzte ihm, dem "Volkstribun der Narretei", ein literarisches Denkmal. Meine aus Brüssel familiär stammende Großmutter erzählte mir -stolz- von dem Leben dieses "Feinen Herren". Der stets lachte und fröhlich war, wenns doch -mühsam- bergauf, und klagend - traurig war, wenns -leichter- bergab ging!
Seinen derben, bäuerlichen Reisebegleitern muß er mit diesem mehr als... "merkwürdigen" Gehabe und Gelabere sehr auf die, von der beschwerlichen "Bergreise" eh schon strapazierten Nerven gegangen sein. Sie wollten ihn schon in eine dunkle, steile Schlucht stürzen, um sich seiner "Lästigkeit" zu entledigen.
Ein mitleidiger Kumpan wollte aber noch vorher vom festgehaltenen und versohlten Till, dem Narren wissen, WARUM er sich so abweichelnd verhalten hätte?
"Wenns bergab geht, euch leichter wird, weiß ich doch, daß ich gleich wieder den steilen Berg erklimmen muß...
Und dies stimmt mich traurig und läßt mich dies Wissen wehklagen!
Wenns dann aber, für euch so beschwerlich, bergauf geht, weiß ich doch, das diese Mühsal gleich vorbei sein wird, weils wieder bergab gehen wird und muß.
Und dies stimmt mich wieder heiter und fröhlich; dies Wissen lässt mich mein Los ertragen!"
(T.U.)

Nun, die flämische Großmutter eines "närrischen" Enkels ist - fast 100-jährig, in Venlo an der Maas, verstorben. Nun kann ich sie nicht mehr fragen, was die Reise- und Saufkumpane denn mit "Mester Till" gemacht haben, als er ihnen seinen Grund für seine Absonderlichkeit einer belgischen Welt- und Weitsicht, spöttisch, mitteilte!??

Wenn mir meine Großmutter, auf den kl. Bauernhof in der Nachkriegszeit an der Maas, in der Nähe der römischen Handelsstadt und späterem Mitglied der "Hanse", VENLO/NL aus dem großen, alten "Geschichtsbuch" vorlas, dann veränderte sich ihr liebevoll-gütiges "Omma"-Gesicht in ein so fröhlich-freies Gesicht einer weisen, verschmitzten alten Frau mit eisgrauen Haaren und viel Humor und Verzeihen für die Streiche eines kl. Jungen aus Feindesland =Deutschland; Vaters Exil!

Auf meine neugierige Frage, wer denn Onkel Till gewesen sei und wie er wo gelebt hat, wich sie immer aus; schemlisch lächelnd, mich herzend auf den Schoß ziehend, und mir dann über den Rand ihrer Halbbrille in die Augen sehend murmelte sie dann -auf flämisch (obwohl perfekt "duits pratend")- brabbelnd... "den Ohme Till" kenn ich nicht. Ich erkenne aber jetzt einen seiner legitimen Nachfahren! Mit diesen für mich sinnlosen Worten strich sie mir übers weiß-blonde, lange Haar, dem ich den Necknamen "Petronella" verdankte.
Und mich zu Bubenrauferein brachte; mir Beulen, Schürfungen und "Veilchen" einbrachte. Die Eltern des "Verlierers" wollten immer meine Eltern verklagen. Somit mußte ich "friedfertiger" werden, sehr zu meinem Leidwesen eines rauflustigen, kleinen Jungen, der in den Trümmern seiner Vaters-Welt das Überleben lernte - sich stets wehren musste als Jüngster und Kleinster der Massima-(Jugend-)Bande im zu fast 90 % zerstörten "Dorf am Rhein"; Düsseldorf-Derendorf; bei der "Rheinmetall-Waffenschmiede" der Nazis!

Von einem auf der langen Reihe von beachtenswerten Namen einer überregionalen Großkanzleien, mit Dr. Dr., Prof. jur. Qualifikation wurde ich vor 30 (!) Jahren mals als "Halbjurist" beschimpft. Hätte er mich Volljurist genannt, hätte ich ihm, u.a. wegen "Verarschung", die Klage zunächst angedroht. So hätte er mich beleidigt?!
Nein, dem Stand der "Krähen in schwarzen Talaren" gehörte ich nicht an. Verteidigt habe ich sie aber oft (wegen ihrer Dummheit und Gier) vor Gericht (OLG DüDo) und empörter Mandatschaft!

Till Eulenspiegel -flämischer Les- und Volksart- war studierter Jurist mit Dokutorhut. Ich trug, genauso stolz, die "Rheinische Narrenkapp" als Standessymbol, mit gehörigem Respekt vor der Narrezunft. Till sollte einen ihm treu -aber stets kritisch- ergebenen Reisebegleiter gehabt haben. Mit Namen Lahme Gudsack (?). Mit einer Lähmung oder Behinderung hat der Name <Lahme> jedoch nichts zu tun. Wohl eher mit der sprichwörtlichen Langmut und duldsamen Gemütlichkeit seines dicklich, ängstlichen Trägers im Schatten des größten Narren aller Zeiten: Mester Till, der ihn aushielt und dessen Derbheit wie Einfältigkeit er aushalten musste. Ebenso die -besorgte- Nörgelei des sich stets sorgenden Reisegefährten. Oftmals auch in der ihm so ungewohnten Rolle eines "Lebensretters" vor den Häschern der düpierten Bourgeoisie und niederen Adels. Aus königlichen Verliesen den Namen "freikaufend", und sich für das ausgegebene Gold (Dukaten) noch Ohrfeigen und Tritte in den fetten Hintern einhandelnd.
Kaum wissend, warum ihm dies denn so unverhofft geschah. Sah er sich doch schuldbewusst, quasi als Held und "Retter"!

Wer's gerne wissen will, warum hier der Narr in bösen Zorn verfiel, der sollte mal wieder den <TILL EULENSPIEGEL> als Erwachsener -uns sehr, sehr aufmerksam- lesen und zu verstehen lernen! Es lohnt sich, sehr sogar. So erklärt sich das begonnene "Jahrhundert der Narren" besser und lässt es erträglicher angehen.

So wie ich scheints bald wieder "obenauf" und genesen sein werde: "on the road again"!
Jedoch stets dem "Reinen Wein" verpflichtet, so wie mein Urahn im Geiste -Till- dem Wein urkundlich und genüßlich, zu oft wohl, zugetan war! Wie aber sonst hätte er mit all der ihm umgebenen "Narretey der Welt" und ihrer Be-Herrscher denn auch anders umgehen können. Sie sich erträglich und auf Distanz haltend?

CpS


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